11.07.2019

Interessensvertretung - eine Männerdomäne?

Nur eine Frau findet sich an der Spitze der sieben Fachgewerkschaften. Die Frauenquote ist immer noch notwendig.

 

Text: Sandra Strohmaier, MBA, MSc: GÖD-Bundesfrauenausschussmitglied,
Zentralausschuss-Vorsitzende beim BMBWF, Allgemeine Verwaltung

 

Bei einer internationalen Tagung im Frühjahr 2019 in Ljubljana erwähnte eine junge, engagierte Slowenin in ihrem Referat, dass die Gewerkschaften nach wie vor „Altherren-Domänen“ sind. Sehr mutige Worte, die selten so klar ausgesprochen werden, daher sehr stark wahrgenommen wurden und einen großen Anteil an Wahrheitsgehalt haben. Schaut man sich die Präsidien der sieben Fachgewerkschaften an, so erkennt man sehr schnell, dass die Rollen der Vorsitzenden fast durchwegs männlich besetzt sind; genauer gesagt findet sich nur eine Frau an der Spitze einer Gewerkschaft (GPA DJP). Natürlich finden sich in zweiter, dritter und weiteren Reihen Frauen, aber allem Gerede von Gleichstellung von Frau und Mann zum Trotz gelangen Frauen nur in seltensten Fällen in höchste Führungsfunktionen der Gewerkschaften. Zu Beginn war ich absolut gegen die Einführung einer Quote – wer will schon eine „Quotenfrau“ sein? Umso trauriger ist es, dass es selbst nach vielen, vielen Jahren immer noch notwendig ist, Frauenquoten zu fordern, weil es ohne leider nicht funktioniert. Dieses Phänomen der männlichen Vorsitzenden schlägt sich bis in die darunterliegenden Gremien wie beispielsweise Bundesvertretungen, Landesvorstände, Personalvertretungen, Betriebsratsgremien, gewerkschaftliche Betriebsausschüsse etc. nach unten durch. Wir im Zentralausschuss im BMBWF, Bereich Wissenschaft und Forschung (Sandra Strohmaier), als auch in unserer GÖD-Bundesvertretung 16 (Gaby Waidringer) sind ein gutes Beispiel dafür, wie erfolgreich Frauen an der Spitze eines Gremiums sein können. Wir Frauen sind stets sehr verlässliche und fleißige Playerinnen – man braucht uns. Männer brauchen unser Wissen, unsere soziale Kompetenz, unsere Kommunikationsstärke, unsere Hartnäckigkeit, unsere Flexibilität und vieles mehr. Für uns sind Leistung, Engagement und Einsatz ein Selbstverständnis. Dennoch ist der Weg an die Spitze ein dorniger, den wir uns hart erarbeiten müssen. Ich selbst bin ein gutes Beispiel dafür: seit 1991 in der Personalvertretung, mit der Ausgliederung der Universitäten 2004 zur stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden gewählt und seit nunmehr zehn Jahren eine der wenigen weiblichen Vorsitzenden eines Zentralausschusses (ZA). Jedoch ist der Weg in verantwortliche Gremien mit dem Erreichen des ZA-Vorsitzes noch nicht zu Ende; den Weg dorthin und auch danach säumen zahlreiche Hürden und Herausforderungen und manchmal auch Neid. Ich selbst hatte und habe das Glück, eine ehrliche, geduldige, wissende und motivierende Mentorin zu haben, die mich bis zum heutigen Tag fördert und fordert. Sehr gerne stelle ich mich im November 2019 erneut der Wahl zur Vorsitzenden des Zentralausschusses, dies unter anderem auch, um anderen Frauen Mut zu machen, diese Herausforderung anzunehmen und Ja zu sagen, wenn sie gefragt werden.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 7/19.

Schlagworte

Frauen

Mehr zum Thema

News-Archiv
27.01.2016

Fragt man „Google“ so erfährt man, dass ein Schaltjahr ein Jahr mit 366 anstelle von 365 Tagen ist. Alle 4 Jahre wird am Ende des Monats Februar ein Tag eingefügt.

News
17.11.2017

Verdienen Frauen im Öffentlichen Dienst weniger als Männer?

Familie
News
29.11.2018

Eine deutliche Entlastung für die Familien.

News
19.02.2014

Die Sicherheitsverwaltung im Bundesministerium für Inneres weist einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil auf. Auch in der Führungsetage hat sich in den letzten 25 Jahren einiges geändert. Frauen in Führungspositionen wurden damals noch als etwas „Exotisches“ betrachtet, heute ist es auch im Innenressort ganz normal, Frauen in eine leitende Position zu ernennen.

News-Archiv
18.12.2017

Seit 2011 gibt es nun das „Steuerungs- und Beweisinstrument“ der Einkommensberichte. Die Ergebnisse dieser Einkommensberichte werden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht und sollten à la longue dazu führen, dass die Einkommensschere zwischen Männereinkommen und Fraueneinkommen (Vollbeschäftigungsäquivalent) zusammenschrumpft. In der Privatwirtschaft beträgt der Einkommensunterschied zurzeit zwischen 31,4% (Vorarlberg) und 19,2% (Wien), im Gesamtbundesländerdurchschnitt 23,2% in Österreich.

News
22.01.2020

Betrachtung aus dem gewerkschaftspolitischen Frauenblickwinkel

News-Archiv
11.11.2016

"Ich stehe für ein partnerschaftliches Miteinander im Berufs- und Beziehungsleben, denn Macht und Einflussnahme sind teilbar und können zum „doppelten Erfolg“ führen! Respekt und Wertschätzung

werden von mir solidarisch gelebt."

News
08.03.2017

Der Internationalen Frauentag brachte am 8. März 2017 Rosen für alle Mitarbeiterinnen der GÖD. Verteilt wurden diese vom GÖD-Bereich Frauen, welcher die Rosen-Verteilaktion auch ins Leben rief.