26.03.2018

Null Toleranz

Gewalt im Öffentlichen Dienst: So kann es nicht mehr weitergehen!

In den letzten Wochen und Monaten finden sich vermehrt Pressemeldungen zum Thema Gewalt im Beruf. Im Öffentlichen Dienst sind vor allem die Gesundheits- und Pflegeberufe, Justizwache, Exekutive, Finanz und Pädagoginnen und Pädagogen, da oder dort aber auch einzelne Kolleginnen und Kollegen der Bundesverwaltung (z. B. Bundesasylamt) von gewalttätigen Attacken betroffen. Dabei sind Frauen besonders betroffen. Die Formen der Gewaltanwendung reichen von verbal diffamierenden und diskriminierenden Aussagen zunehmend bis zur Androhung oder sogar Ausübung von physischer Gewalt.

GÖD-Vorsitzender Dr. Norbert Schnedl forderte unlängst in einer Presseaussendung bundesweit geltende Schutzmaßnahmen. 1 Mag. Romana Deckenbacher, GÖD-Vorsitzenden-Stellvertreterin und Bereichsleiterin Soziale Betreuung, erklärte in einem Interview: „Es reicht, so kannʼs nicht weitergehen.“ Der Wiener Pädagogin und Lehrergewerkschafterin wurden unzählige Fälle von schwerer Gewalt in Wiens Schulen übermittelt. Sie hat diese gesammelt und ausführlich dokumentiert. Tatsache ist, dass laut einer Umfrage angeblich jede fünfte Frau in Österreich von Gewalthandlungen (körperlich und/oder sexuell) im privaten bzw. familiären Bereich betroffen ist. Mit dem am 1. Jänner 2016 in Kraft getretenen Strafrechtsänderungsgesetz wurde der strafrechtliche Schutz vor Gewalt, insbesondere sexueller Gewalt, erweitert. Zu diesen Änderungen zählen unter anderem der eigene Straftatbestand für „Zwangsheirat“, die Ausdehnung von Definitionen wie „sexuelle Belästigung“ und „schwere Körperverletzung“ sowie der neue Straftatbestand „Cybermobbing“.

Tatsache ist aber auch, dass es zurzeit kein offiziell abrufbares Zahlenmaterial für im Beruf erlebte bzw. erlittene Gewalttaten gibt. Theoretisch müsste diese Gewaltdatenerhebung zumindest in den einzelnen Ressorts des Bundes aufliegen – oder wenigstens an den einzelnen Bundesdienststellen oder der jeweilig vorgesetzten Behörde. So viel meine Recherchen zu diesem Thema ergeben haben, hat ausschließlich die Polizei in einigen Bundesländern einen ungefähren Überblick über die angezeigten Gewaltstraftaten im beruflichen Zusammenhang. Ob und wie viele Frauen oder Männer zu Opfern von Gewalttaten wurden, wird kaum dokumentiert. Ein Gesamtüberblick bzw. eine Statistik, in welchem Berufsumfeld welche Gewalttaten stattgefunden haben, ist nicht vorhanden. Aus meiner Sicht als Gewerkschaftsfunktionärin sollte das Gesamtthema „Gewalttaten im Zusammenhang mit der Ausübung der Erwerbstätigkeit“ vor allem im Öffentlichen Dienst noch ernsthafter und nachhaltiger betrachtet werden. Aufzeichnungen in jedem Ressort sind unbedingt erforderlich, damit dann aufgrund des vorhandenen Zahlen-Daten-Fakten-Materials gezielte präventive Maßnahmen gesetzt werden können. Auch das gehört aus meiner Sicht zur Ob- und Fürsorgepflicht des Dienstgebers gegenüber der Dienstnehmerin bzw. dem Dienstnehmer.

Monika Gabriel
GÖD-Vorsitzenden- Stellvertreterin und
Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

Feedback per E-Mail an: monika.gabriel@goed.at

Mehr zum Thema

News-Archiv
13.07.2017

Das Niederösterreichische Leobersdorf war am 9. Juli 2017 der Austragungsort des 2. Women´s Duathlon. Bei diesem nahmen 11 GÖD Kolleginnen teil und feierten Erfolge. Insgesamt gingen rund 230 Frauen an den Start um sich im Laufen und Radfahren zu messen.

News-Archiv
29.05.2015

Bereits seit 70Jahren engagieren sich die Gewerkschaftsfrauen (ÖGB-Frauen) über alle Fraktionen und Fachgewerkschaften hinweg, für die Interessen der erwerbstätigen Frauen.

News-Archiv
30.08.2017

Einer von vielen Anträgen aus dem Bereich GÖD-Frauen und GÖD-Familie an den GÖD-Bundeskongress 2016 lautete: Weiterer flächendeckender Ausbau eines qualitätsvollen Elementarpädagogikangebots und Schaffung von zusätzlichen Kinderbetreuungseinrichtungen, die eine tatsächliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

News-Archiv
21.07.2015

Adaptierungen treten mit 18.06.2015 in Kraft, aufgrund der Dienstrechts-Novelle 2015 (BGBl. I Nr. 65/2015)

News-Archiv
01.12.2017

Bekannt ist, dass Männer und Frauen naturgemäß unterschiedlich, aber in Wert und Würde komplett gleich sind. Unsere Gesellschaft profitiert von der Vielfältigkeit und dem Wesen und der Erwerbstätigkeit beider Geschlechter. Aus meiner Sicht sollte das Prinzip der Vielfalt gefördert werden, und das auf allen Ebenen. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst fördert seit Jahrzehnten das Prinzip der Vielfalt der Erwerbstätigen im Öffentlichen Dienst.

News-Archiv
18.12.2017

Einer der vielen Forderungen der Gewerkschafterinnen - zB GÖD-Bundesfrauen*) und ÖGB-Bundesfrauen**) ist die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privat bzw. Familie.

Für mich steht als oberster Wert bei allen Entscheidungsmöglichkeiten die Wahlfreiheit!

News-Archiv
21.07.2015

Unter zum Teil schwierigen, physisch und psychisch sehr herausfordernden Umständen versuchen unsere Bundes- und Landesbediensteten im Öffentlichen Dienst die Flüchtlings- und Asylantenströme in und durch Österreich zu bewältigen.

News-Archiv
01.06.2018

Vergessen wir auch im Rahmen der Digitalisierung nicht auf ein wertschätzendes Miteinander.