18.08.2016

25 Jahre danach

Text: Mag. Ines Bürger, Mitglied
im Dineststellenausschus LPD Wien

 

Frauen müssen ihren Mann stellen!“, eine kühne Forderung. Rein physiognomisch unterscheiden sich Frauen und Männer. Und das macht diese Forderung schon sehr diskussionswürdig. Unterschiede zu erkennen und zu leben, ist eine Herausforderung. Frauen bei der Polizei sind eine wesentliche Bereicherung – auch für die Gesellschaft. Mit der Einführung der Frauen bei der Polizei in den 90er-Jahren endete eine Diskussion, ob Frauen polizeilichen Aufgaben „überhaupt gewachsen“ sind. Immer wieder wurden „Extremsituationen“ als alltägliche Routine dargestellt – ausgeklammert die enorme Vielfalt an Aufgaben, die weit weg von staatlicher „Gewalt“ tatsächlich den Alltag dominiert, denn nur mit Kampfsportpraxis kann schon lange nicht mehr jede heikle Situation gemeistert werden. 25 Jahre später wissen wir, dass die damalige Diskussion um die durchgesetzte Gleichbehandlung und die Angst um „körperliche Defizite“ beendet sein müsste. Tatsache: Der Polizeiberuf ist noch immer „männlich“ dominiert und damit verbunden auch die Existenz männlicher Kultur – „ein harter Job“! Heute wissen wir, dass sich Frauen auf allen Aufgabengebieten genauso qualifiziert einbringen, alle Amtshandlungen durchführen und alle Lügen strafen, die einen „Untergang des Abendlandes“ prognostiziert haben. Und viele Aspekte, die damals kaum – und wenn, dann nur von VisonärInnen, die man belächelte – mitgedacht wurden, haben sich in der Organisation etabliert. Eine Vielzahl von „exotischen“ Lösungsoptionen ist entstanden und wird gelebt. Kompetenzen sind sichtbarer geworden, die Grunderfordernisse für Polizisten und Polizistinnen müssen sein: Empathie, Selbstreflexion, Deeskalationsstrategien, fachliche und menschliche (physisch und psychische) Eignung. Der Aha-Effekt: Diese Kompetenzen wurden von den Kollegen in ihr Handlungsrepertoir übernommen. Vorgesetzte Dienststellen implementierten Schulungsprogramme und mitarbeiterfördernde sowie persönlichkeitsbildende Maßnahmen. Man(n) hat schnell erkannt: Die „Individualität“ von Frauen ist für den Polizeidienst insgesamt eine Bereicherung, und der partnerschaftliche, zum Teil freundschaftliche Umgang verändert bzw. verbessert insgesamt die innere Betriebskultur und wird auch von den Bürgerinnen und Bürgern wohlwollend bemerkt. Das „Diversitäts-Unternehmen“ Polizei in der Gesellschaft hat das Image aller Polizistinnen und Polizisten gehoben. Der Entschluss zur Aufnahme von Frauen in den Exekutivdienst ist und war ein wichtiger und richtiger Beitrag zur verbesserten – auch gesellschaftlichen – Gleichbehandlung und Gleichstellung. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit mit gleichen Karrieremöglichkeiten sollte weiterhin eine förderbare Stärke der Personalentwicklung im BMI darstellen. Ebenso wichtig erscheint es mir, dass die „Stärken der Frau“ und das Engagement für die Anliegen unserer Berufsgruppe auch innerhalb der GÖD-Organe und in den Personalvertretungsorganen Anerkennung erfahren, damit wir gemeinsam für die Kolleginnen und Kollegen verstärkt auftreten können. Nur gemeinsam – mit ge- und erlebter Partnerschaftlichkeit – für alle Kolleginnen und Kollegen sind wir stark!

 

Artikel erschienen im GÖD-Magazin 05/16

Schlagworte

Frauen

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