18.12.2017

Sind wir als Öffentlich Bedienstete Frauen „auf der Insel der Seligen“ bezüglich Einkommensgerechtig

Meinung der Vorsitzenden des GÖD-Bereiches Frauen Monika Gabriel

Seit 2011 gibt es nun das „Steuerungs- und Beweisinstrument“ der Einkommensberichte. Die Ergebnisse dieser Einkommensberichte werden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht und sollten à la longue dazu führen, dass die Einkommensschere zwischen Männereinkommen und Fraueneinkommen (Vollbeschäftigungsäquivalent) zusammenschrumpft. In der Privatwirtschaft beträgt der Einkommensunterschied zurzeit zwischen 31,4% (Vorarlberg) und 19,2% (Wien), im Gesamtbundesländerdurchschnitt 23,2% in Österreich.

Im Öffentlichen Dienst beträgt der, um das Beschäftigungsausmaß bereinigte, Gender Pay Gap 15%. Zahlen, die für sich sprechen.

Im Öffentlichen Dienst erwerbstätige Frauen (Beamtinnen oder Vertragsbedienstete) sind bezüglich Einkommensgerechtigkeit sicherlich „besser dran“ als Frauen in der Privatwirtschaft. Das einheitliche Dienst- und Besoldungsrecht des Bundes und der Länder bewirkt für die Einkommensberichte ein großes Maß an Gleichheit, so wie es vom Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (§ 6a) vorgesehen ist. Die Einkommenszufriedenheit  zwischen Männern und Frauen ist sicherlich bei „uns“ höher als in der Privatwirtschaft. Dennoch gibt es auch in unserem System „Unschärfen“, die noch verbessert werden müssen. Nach wie vor sind in dem einen oder anderen Ressort gewisse Herausforderungen zu lösen, die sich letztendlich beim Gehalt auswirken und so auch zu den unterschiedlichen Lebensverdienstsummen von Männern und Frauen führen. Oft gibt es auch die „Karrieremöglichkeit“ nicht, weil zB in manchen Berufsgruppen Frauen die erforderlichen Zulassungen zu den notwendigen Fortbildungskursen, die einen beruflichen Aufstieg überhaupt erst möglich machen, sehr erschwert werden und es werden Gründe gefunden, warum die Zulassung zum Aufstiegskurs gerade jetzt leider nicht möglich ist.

Das Thema Überstunden beeinträchtigt auch die Durchschnittseinkommenszahlen, da Frauen zwar sehr häufig Überstunden (Mehrleistungen) erbringen, sich diese aber seltener auszahlen lassen als Männer.

Das Thema Teilzeit ist übrigens auch im Öffentlichen Dienst nach wie vor zum großen Teil ein „Frauenthema“. Teilzeit führt unweigerlich zu einem Einkommensminus, das sich natürlich auf die gesamte Lebensverdienstsumme inklusive Ruhestand oder Pension auswirkt!

Dennoch ist der Öffentliche Dienst betreffend Einkommen insgesamt und im speziellen für Frauen betrachtet, ein schätzenswerter Dienstgeber, der viele Ungerechtigkeiten bereits beseitigt hat. Auch auf Grund des immerwährenden Sozialpartnerdialoges GÖD-BKA!

Um die Erstellung der Einkommensberichte übersichtlicher zu machen, bietet das Frauenministerium  (www.frauen.bka.gv.at) gemeinsam mit den ÖGB-Frauen (www.oegb.at/frauen)  seit einigen Tagen ein neues Services für BetriebsrätInnen, PersonalistInnen und Geschäftsführungen der privaten Betriebe an: einen Praxis-Ratgeber für die Erstellung von Einkommensberichten. Mit diesem könnte es gelingen, dass die Einkommensberichte auch in der Privatwirtschaft eine Verbesserung erfahren und deren Ergebnisse zu einem rascheren Schließen der Einkommensschere führen…

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