12.07.2018

GÖD-Gesundheitsgewerkschaft: Eine Pflegelehre mit 15 Jahren würde geltendes EU-Recht verletzen

Reinhard Waldhör appelliert an alle Abgeordneten: „Es gibt in Österreich bereits genügend Pflegeberufe! Es braucht keinen weiteren!“

Wien (OTS) - In einem offenen Brief an alle Abgeordneten zu den gesetzgebenden Körperschaften spricht sich der Vorsitzende der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft Reinhard Waldhör gegen die von Experten vorgeschlagene Einführung einer Pflegelehre mit 15 Jahren aus und fordert verbesserte Rahmenbedingungen zur Attraktivierung des Pflegeberufes. Im Folgenden der offene Brief im Wortlaut: 

„Sehr geehrte Frau Abgeordnete! 
Sehr geehrter Herr Abgeordneter! 

Nachstehend erlaube ich mir, Ihnen die Stellungnahme der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft zum Thema: „Pflegelehre mit 15!“ zu übermitteln und ersuche Sie um entsprechende Berücksichtigung derselben bei Ihrer parlamentarischen Arbeit. 

Pflegelehre mit 15!
Dies würde geltendes EU-Recht verletzen – und die Jugendlichen in ihrer Seele!

Es gibt ein EU-weites Übereinkommen, dass die Arbeit am Menschen in Gesundheitsberufen erst im Alter von 17 Jahren beginnen soll!

Die Argumente dafür sind in den beiden unten angeführten Studien klar dargelegt! Der Umgang mit schwer erkrankten, multimorbiden und sterbenden Menschen kann bei jugendlichen Pflegenden zu negativen emotionalen Ausnahmezuständen führen. 
Die Studien im Auftrag des Gesundheitsministeriums belegen ganz klar, dass Jugendliche, die in der Familie Pflegearbeit leisten müssen, eine sehr engmaschige psychologische Begleitung brauchen. 

http://www.studienreihe.at/cms/Z02/Z02_2.a/1342558553555/bisherige-studien/studien-einzelband-uebersicht/band-19-kinder-und-jugendliche-als-pflegende-angehoerige 

https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP_2017_Report_JungePflegende.pdf 

Es gibt auch in Vorarlberg derzeit keine „Pflegelehre“! Dort erlernen die Jugendlichen den Beruf der "Betriebsassistenz“. Nach dem Lehrabschluss gibt es ein Aufnahmeverfahren für die Ausbildung zur "Pflegeassistenz" - an der aber dann nur mehr ein Bruchteil der Lehrlinge teilnimmt! Diese Ausbildung entspricht denselben Kriterien wie in allen anderen Bundesländern auch! Die Teilnahme an der Ausbildung zur Pflegeassistenz ist aber äußerst gering! 

https://www.karrierekompass.at/berufe/1691-BetriebsassistentIn/ 

Die vorgesehene Theorieausbildung der Pflegeassistenz passt auch nicht in die Zeitschiene eines dualen Lehrberufes (Schwerpunkt Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule). Völlig ungeklärt ist auch, wer denn der sogenannte Lehrherr sein wird? Einer in der Organisation? Einer pro Abteilung? Wer soll denn diese Praxis schulen? Derzeit gibt es in den Organisationen dafür kein Personal. 

Aus all diesen Gründen lehnt die GÖD-Gesundheitsgewerkschaft die Pflegelehre weiterhin ab! 

Was wir wirklich brauchen ist eine adäquate, qualitative Umsetzung der GuKG Novelle 2016 für die Pflegeassistenz und die Pflegefachassistenz im Rahmen einer Pflegeausbildung. Wenn diese modulhaft aufgebaut ist und bis zur Matura und somit ins FH-Studium „Pflege“ führt, wäre eine echte Durchlässigkeit in diesem Berufsfeld gegeben. 

Eine "Gesundheitsakademie", die dies umsetzt, könnte auch an den bestehenden Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege umgesetzt werden und würde die Lücke zwischen dem 15. Lehrjahr und 17. Lehrjahr schließen! Ein entsprechend gut machbares, die Pflegeberufe in Wert setzendes Konzept liegt diesem Schreiben bei! 

Es gibt in Österreich bereits genügend Pflegeberufe! Es braucht keinen weiteren!

Was wir dringend brauchen, ist eine Attraktivierung des Berufs - keine zusätzliche Verunsicherung! Es braucht Attraktivierung durch verbesserte Rahmenbedingungen im Bereich der Personalbesetzung, es braucht die Qualität der Ausbildung und vor allem die Wertschätzung der Pflegeberufe!“ 

Mit freundlichen Grüßen 

Reinhard Waldhör
Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft

 

Rückfragen & Kontakt:

Reinhard Waldhör 
Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft 
M ‭+43 676 6066250‬ 
reinhard.waldhoer@goed.at

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Presse

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