22.05.2023

„Die Digitalisierung bringt uns alle weiter“

 

Sektionsleiterin Maria Ulmer ist im Bundesministerium für Finanzen für Digitalisierung und E-Government zuständig und Chief Digital Officer (CDO) des Bundes. Im Interview berichtet sie, wie sich Österreich bei der digitalen Transformation der Verwaltung entwickelt.

Frau Sektionschefin, wie würden Sie die Tätigkeit Ihrer Sektion in einem Satz beschreiben?

Im Auftrag des Staatssekretärs für Digitalisierung und Telekommunikation Florian Tursky koordinieren und forcieren wir die gesamtstaatliche digitale Transformation Österreichs, wir realisieren dafür ressortübergreifende Digitalisierungsprojekte und die IT-Konsolidierung im Bund – und wir haben dabei immer den Nutzen der Digitalisierung für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung im Fokus.

Können Sie uns dafür Beispiele nennen?

Mit oesterreich.gv.at beziehungsweise der App „Digitales Amt“ betreiben wir eine auch international vielbeachtete Online-Plattform, mit der Bürgerinnen und Bürger Amtswege zeit- und ortsunabhängig erledigen können. Das ist eine digitale Erfolgsgeschichte der besonderen Art – und unser Weg vom E-Government zum M-Government. Wir bringen damit Amtswege und Ausweise aufs Smartphone, beispielsweise Wohnsitzänderungen oder Wahlkartenanträge kann man so bequem zeit- und ortsunabhängig erledigen. Die digitalen Serviceangebote werden natürlich laufend weiterentwickelt. Mehr als eine Million Nutzer haben die App bereits heruntergeladen.

Für die Wirtschaft bietet unser Unternehmensserviceportal viele Informationen und digitale Services für Unternehmen. Und für alle Zielgruppen gibt es FinanzOnline, das alle Kontakt- und Transaktionsoptionen mit den Steuerbehörden abdeckt – von der Arbeitnehmerveranlagung bis zur elektronischen Steueranmeldung. Das alles sind Leistungen, von denen alle profitieren. Die Digitalisierung bringt uns alle weiter – Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und die Verwaltung.

Wie stehen wir im europäischen Vergleich beim Thema Digitalisierung da?

Sehr viel besser, als manche glauben. Österreich nimmt bei digitalen Verwaltungsservices im europäischen Vergleich sogar eine führende Rolle ein. Laut „Digital Economy and Society Index 2022“ (DESI-Index) der EU, bei dem Österreich in Sachen Digitalisierung insgesamt auf Platz 10 unter den EU-Staaten liegt, erzielen wir bei Indikatoren im Bereich „digitale öffentliche Dienste“ hervorragende Werte. Dies gilt etwa für die Nutzung von E-Government- Diensten, die österreichweit bei 79 Prozent liegt (EU-Schnitt: 65 Prozent). In den Bereichen Open- Data (92 Prozent) oder digitale öffentliche Dienste für Bürger (76 Prozent) sind wir ebenfalls sehr gut. Auch bei anderen Rankings liegen wir vorne: Beim E-Government-Monitor der D-A-CH-Region liegen wir auf Platz eins, im eGovernment Benchmark der EU-Kommission auf Platz sechs.

Wie wird die digitale Transformation auf Bundesebene gesteuert? Sie sind ja Chief Digital Officer des Bundes?

Dazu gibt es die „Chief Digital Officer Task Force“, die sich in den vergangenen Jahren sehr bewährt hat. Damit stellt Österreich sicher, dass die Bundesverwaltung den digitalen Wandel koordiniert und proaktiv gestaltet. Die CDOs koordinieren Digitalisierungsprojekte in ihren Bundesministerien, berichten darüber an die CDO-Task Force und unterstützen gemeinsame Projekte.

Die CDO-Task Force wird von uns koordiniert. Die Ergebnisse unserer Arbeit lassen sich in bereits zwei Digitalisierungsberichten nachlesen. Wir haben mit dieser Struktur einen wesentlichen Schritt für die strategische Weiterentwicklung der digitalen Transformation gemacht.

Stichwort Strategie: Sie sind ja auch für Strategieprozesse zuständig …

… genau, wir koordinieren z.B. die Digitalisierungsstrategie, die KI-Strategie, die E-Government Strategie und die Strategie für Digitale Kompetenzen. Auch hier steht die Nutzenorientierung im Vordergrund: Im Bereich der Wirtschaft geht es etwa um mehr Wachstum und Jobs durch bessere Nutzung digitaler Anwendungen, im Bereich der Verwaltung um mehr digitale Services und geringere Kosten für Unternehmen sowie für Bürgerinnen und Bürger, und bei Sicherheit und Infrastruktur geht es um mehr Datensicherheit und Resilienz in Österreich. Wir sind bestrebt, bei allem, was wir tun, ein solides, mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis erarbeitetes, strategisches Fundament zu bilden.

Wie wichtig sind europäische Vorgaben für den digitalen Wandel in Österreich?

Sie sind natürlich ein ganz entscheidender Rahmen für die Gestaltung der Digitalisierung. Die Europäische Kommission hat dazu im März 2021 die Mitteilung „Digitaler Kompass 2030: der europäische Weg in die digitale Dekade“ vorgelegt, in der sie jene vier Ziele benennt, die dem digitalen Wandel bis 2030 zum Durchbruch verhelfen: Es braucht die entsprechenden Skills, es braucht sichere, leistungs- und widerstandsfähige digitale Netze, es braucht digitale Unternehmen und es braucht eine Digitalisierung aller wesentlichen öffentlichen Dienste – inklusive digitalem Identitätsnachweis für Bürgerinnen und Bürger. Genau das setzen wir um.

Eine große Herausforderung für erfolgreiche Digitalisierung ist natürlich die Sicherheit und dabei insbesondere die sichere digitale Identität. Wo stehen wir da – und was sind die Herausforderungen?

Erfolgreiche digitale Transformation und Sicherheit gehen Hand in Hand. Und auch hier sind wir in Österreich vorne. Seit letztem Jahr können Nutzerinnen und Nutzer mit einer Handy-Signatur in der App „Digitales Amt“ auf die ID Austria umsteigen. Die ID Austria ist die Weiterentwicklung der Handy- Signatur und Bürgerkarte. Als zentrale staatliche digitale Identität ermöglicht sie eine sichere digitale Online-Identifikation und die sichere Nutzung digitaler Services und Geschäftsmöglichkeiten. Bereits über 200 Anwendungen, vorwiegend im E-Government-Bereich, nutzen die Leistungen der ID Austria.

Es werden auch Unternehmen von den zahlreichen Einsatzmöglichkeiten der ID Austria profitieren. Und alle, die das tun, sind wirklich auf der sicheren Seite unterwegs: Denn die ID Austria ist die erste mobile eID auf EU-Ebene, bei der das eIDAS-Sicherheitsniveau „hoch“ vorbehaltlos akzeptiert wurde. eIDAS steht für electronic Identification, Authentication and trust Services. Unsere ID Austria hat bei der Preisverleihung des 21. eGovernment Wettbewerbs in der Kategorie „Bestes Projekt zum Einsatz innovativer Technologien und Infrastrukturen“ die Goldmedaille bekommen.

Mit der ID Austria kommt man ja auch zum neuen digitalen Führerschein.

Genau, die ID Austria ist auch der Schlüssel zur Ausweisplattform, über die Ausweise abgerufen werden können. Als erster Anwendungsfall wurde der „Digitale Führerschein“ ausgerollt. Als Nächstes folgen dann der digitale Zulassungsschein und der Identitätsnachweis. Anspruch des BMF ist es, auf Basis der ID Austria fast alle Behördengänge auch digital anzubieten.

Damit alle Menschen und Unternehmen diese digitalen Services nutzen und insgesamt von der Digitalisierung profitieren können, braucht es ausreichende digitale Kompetenzen. Wie stehen wir in diesem Bereich da?

Gut, aber nicht gut genug. Laut europäischem DESI-Index fehlt es etwa 30–40 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren an digitalen Basiskompetenzen. Große Wissenslücken bestehen bei allgemeinen Grundlagen und beim Thema IT-Sicherheit. Gleichzeitig ist der Bedarf an digitalen Qualifikationen in Wirtschaft und Arbeitswelt weiter im Steigen begriffen. Dadurch können insbesondere KMU digitale Technologien nicht ausreichend nutzen. Weitere Herausforderungen für die digitale Fitness in Österreich sind Generationen-, Geschlechter- und Stadt-Land-Gefälle. Mit der „Digitalen Kompetenzoffensive für Österreich“ von BMF, BMAW, BMKOES und BMBWF sollen bis 2030 möglichst alle Menschen in Österreich über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen und auch der Anteil der IT-Fachkräfte und besonders der weiblichen IT-Fachkräfte soll gesteigert werden. Mit der Einführung eines nationalen Referenzrahmens werden digitale Fähigkeiten mess- und vergleichbar. Wir sind übrigens das erste EU-Land mit einem digitalen Kompetenzmodell.

Wird die digitale Kompetenzoffensive auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst zugute kommen?

Selbstverständlich, wir wollen hier als öffentlich Bedienstete auch Vorbild sein und die Chancen für MitarbeiterInnen nutzbar machen. Denn die Aufgaben von morgen können nicht mit den Skills von heute und gestern bearbeitet werden. Mit der digitalen Kompetenzoffensive setzen wir in allen relevanten Bereichen an – bei den Gebietskörperschaften, im öffentlichen Dienst und im Bildungssystem. In dem wir in der Verwaltung die digitalen Kompetenzen der Bediensteten bestärken, bauen wir die Grundlage für einen modernen, serviceorientierten Staat weiter aus. Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

So kommen Sie zum digitalen Führerschein

  1. Melden Sie sich mit Ihrer ID Austria mit Vollfunktion in der App „Digitales Amt“ an.
  2. Laden Sie die App „eAusweise“ kostenlos herunter.
  3. Aktivieren Sie die App „eAusweise“ mithilfe der App „Digitales Amt“ und laden Sie Ihren digitalen Führerschein auf Ihr Smartphone.
  4. Schützen Sie die App per Fingerabdruck- Funktion oder Gesichtserkennung.
  5. Sie können Ihren Führerschein ab jetzt in Form eines QR-Codes vorweisen.

    Mehr online unter: oesterreich.gv.at/eausweise