01.05.2018

„Wir wollen vorne sein statt nur dabei“

Autoren: Dr. Michaela Baumgartner, Mag. Gundi Mayrhofer

Interview mit Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Im Interview mit GÖD-aktuell spricht sie sich dafür aus, den Digitalisierungsschub positiv zu nützen.

Frau Bundesministerin, die Digitalisierung wird den Arbeitsmarkt auf lange Sicht völlig verändern. Worin liegen die größten Herausforderungen?
Schramböck:
Digitalisierung wird alle Berufsbilder und jede Branche betreffen. Das ist einerseits Chance für neue Unternehmen und Geschäftsmodelle, andererseits auch Auftrag, bestehende Arbeitsplätze und Berufsbilder weiterzuentwickeln. In Zukunft werden nicht weniger, dafür andere Jobs entstehen. Aufgabe der Politik und der Interessenvertretungen ist, entsprechende Weichenstellungen in der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik vorzunehmen, um die digitale Transformation aktiv gestalten zu können. Gemeinsames Ziel muss sein, dass die Chancen des technischen Wandels überwiegen. Neben Innovation und Forschung sind Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine permanente Weiterentwicklung von Berufsbildern entscheidend. Ein Tischler bzw. eine Tischlerin oder ein Automechaniker bzw. Automechanikerin braucht heute andere berufliche Qualifikationen als vor 20 Jahren. Daher modernisieren wir sukzessive alle 200 Lehrberufe und schaffen im Herbst mit dem E-Commerce-Kaufmann bzw. der -Kauffrau neue zeitgemäße Berufsbilder. Wichtig ist, das gilt für alle Bildungseinrichtungen, eine höhere Durchlässigkeit. EU-weit besitzen 40 Prozent der Menschen keine oder nur geringe digitale Bildung, davon ist jeder Zweite ohne Beschäftigung. Auf lange Sicht wird der digitale Anteil in allen Berufen steigen, und daher braucht es in der Gesamtbevölkerung entsprechende Kompetenzen. Hier sind Politik und Unternehmen gefordert, jede und jeden Einzelnen auf dieser Reise mitzunehmen. Der Begriff „lebenslanges Lernen“ darf kein Schlagwort bleiben.

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