09.12.2015

Starke Frauen - Gestern. Heute. Morgen.

Fünf Jahrzehnte GÖD-Frauen: Ein guter Grund zu feiern – und einen Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von frauenpolitischer Gewerkschaftsarbeit zu werfen.

Mit Zahlen, Daten und Fakten zur Entstehung des Frauenreferats eröffnete die stellvertretende GÖD-Vorsitzende und GÖD-Frauen-Vorsitzende Monika Gabriel die 50-Jahr-Feier der GÖD-Frauen, deren Motto „Gestern. Heute. Morgen“ lautete. Erste Vorläufer gab es Gabriel zufolge bereits 1946/47, als in den ÖGB-Tätigkeitsberichten eine Frauenabteilung erwähnt wird – allerdings nur in der Sektion Mittelschullehrer sowie in Oberösterreich und Vorarlberg. 1953 ist schließlich vermerkt, dass keine eigenen Komitees mehr existieren. Die eigentliche Geburtsstunde schlägt erst 1965: Beim fünften Gewerkschaftstag wird die Einrichtung eines Frauenreferats beschlossen, wofür – ganz im Geiste der Zeit – zwei Frauenreferentinnen von den Männern bestimmt wurden. Die rechtliche Verankerung erfolgt gut 30 Jahre später. Am GÖD-Gewerkschaftstag 1997 wird der Antrag auf die Zuerkennung des Statuts eines Organs der GÖD mit überwiegender Mehrheit angenommen. Die mit Nachdruck geforderte Umsetzung wird 2007 als Punkt 22 in die GÖD-Geschäftsordnung übernommen. Seit dem GÖD-Bundeskongress 2011 ist der GÖD-Bereich Frauen nun unter § 3 Organe der Gewerkschaft unmiss­verständlich (direkt nach dem ­Präsidium) angeführt.  

Wichtige Erfolge
Heute hat die GÖD 54 Prozent Frauenanteil bei insgesamt 238.000 Mitgliedern. „Damit stehen wir an erster Stelle, was den Frauenanteil in sieben Fachgewerkschaften betrifft“, berichtet Monika Gabriel. Für sie bedeutet Gewerkschaftspolitik unter anderem, „mit möglichst vielen Frauen und Männern das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, damit die vielen gewerkschaft­lichen Errungenschaften der letzten Jahre erhalten und sogar weiter verbessert werden.“ Wichtige Meilensteine der Arbeit der GÖD-Frauen waren Arbeitszeitflexibilisierung, 6. Urlaubswoche ab dem 43. Lebensjahr, zahlreiche Neuerungen im Mutterschutz sowie das Väterkarenzgesetz, die unterschiedlichen Varianten des Kinderbetreuungsgeldes, die Einführung des Papamonats, die Verbesserung der Kinderzulage für Teilzeitkräfte, Erhöhung der Familienbeihilfe und die geschaffenen Möglichkeiten, Familie und Beruf mehr zu vereinbaren. Korinna Schumann, stellvertretende GÖD-Frauen-Vorsitzende, ging im Anschluss auf aktuelle Entwicklungen ein. „Es macht uns stolz, dass die Einkommensschere im Öffentlichen Dienst kleiner wird“, so Schumann. Viele Frauen arbeiten allerdings Teilzeit, was Schumann langfristig für gefährlich hält, da Frauen so in der Pension leichter von der Armutsfalle betroffen sein können. Die vielen hochqualifizierten Frauen im Öffentlichen Dienst seien ein Schatz, den es noch viel intensiver zu heben gebe – damit Frauen auf allen Ebenen stark vertreten sind. Sandra Strohmaier, MBA MSc, die als Moderatorin durch die Veranstaltung führte, bat daraufhin die ehemalige stv. GÖD-Vorsitzende und GÖD-Frauen-Vorsitzende Hofrätin Christine Gubitzer und ihre Stellvertreterin Mag. Eva Wienker-Salomon auf die Bühne zur Talkrunde. Sie sprachen über ihre Anfänge als Funktionärinnen und Barrieren, die Frauen in der Gewerkschaft erst im Laufe der Zeit überwinden konnten. Als wichtigen Erfolg schätzt Gubitzer die zu ihrer Zeit durchgesetzte Teilnahme der Vorsitzenden-Stellvertreterin und Frauen­referatsleiterin im GÖD-Verhandlungsausschuss ein. Nur so war es auch auf dieser Ebene möglich, eigene Sichtweisen und Argumentationen einzubringen. Als wichtigen Beitrag sieht sie heute auch das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz, dessen Auswirkungen bei der Einführung unterschätzt wurden. Es ist „bis heute für alle hochnotpeinlich, vor die Kommission treten zu müssen“, ist Gubitzer überzeugt.
Mag. Eva Wienker-Salomon berichtete, dass die gewerkschaftliche Arbeit für frauenpolitische Themen oft „einem Bohren harter Bretter“ ähnelte. Allein, dass die Lebenswirklichkeit von Frauen betreffende Themen überhaupt auf die Tagesordnung kamen, verlangte großen Einsatz.  

Gewerkschaftsarbeit mit weiblicher Handschrift
Bei der folgenden Gesprächsrunde diskutierten ÖGB-Präsident Erich Foglar, ÖGB-Vizepräsidentin Renate Anderl, ÖGB-Vizepräsident und GÖD-Bereichsleiter Dienstrecht Dr. Norbert Schnedl sowie der stellvertretende GÖD-Vorsitzende Richard Holzer über das Thema Gewerkschaft und Frauen gestern, heute und morgen. Holzer betonte, dass gewerkschaftliche Arbeit generell Hartnäckigkeit verlange. Beharrlichkeit lohnt sich aber: „Durch die nachdrücklichen Forderungen der GÖD-Frauen ist in dreißig Jahren viel weiter­gegangen“, so Holzer.
Für Erich Foglar sind Frauen ein „wesentlicher Erfolgsfaktor in der Gewerkschaft“. Er gratulierte den GÖD-Frauen herzlich zu ihrem „jugendlichen, halbrunden Jubiläum“. Renate Anderl zeigte anhand einiger Anekdoten, wie massiv Frauen früher auch im Öffentlichen Dienst diskriminiert wurden: So war es lange gang und gäbe, dass bei berufstätigen Ehepaaren nur der Mann pragmatisiert wurde, da er als Familienernährer galt. Ebenso wurde beispielsweise weibliches Reinigungspersonal aufgrund des Geschlechts nicht pragmatisiert. Über den noch heute existierenden „Gender Pay Gap“ (= geschlechterspezifische Einkommenslücke) im Öffentlichen Dienst sprach Dr. Norbert Schnedl. Die Lücke habe strukturelle Ursachen, denn bei exakt gleicher Leistung erhalten Frauen und Männer auch exakt das gleiche Gehalt. Der Grund für den Unterschied liegt allerdings am viel höheren Anteil von weiblichen Teilzeitkräften. Viel getan hat sich Schnedl zufolge bei den Top-Positionen, die mittlerweile zu 27 Prozent von Frauen besetzt sind.

Visionen für morgen
Beim Thema Zukunft war die junge Frauengeneration am Wort: AHS-Lehrerin Mag. Anna Gring, Polizistin Katharina Walch, Volksschullehrerin Sabrina Kubicek, BEd MA, rechnungsführende Sekretärin Andrea Stamatiu und BMHS-Lehrerin Mag. Irene Jilg diskutierten über Beruf und Berufung, flexible Arbeitszeitmodelle für Ausbildungen, Erfahrungen in der Privatwirtschaft, das Schaukeln von Beruf und Familie sowie die Gleichstellung von Frau und Mann auf allen Ebenen. Der Öffentliche Dienst soll dabei in puncto Gleichstellung eine echte Vorbildwirkung erzeugen, damit auch Frauen in der Privatwirtschaft profitieren, sind sich die jungen Frauen einig.
Zum Abschluss zeigte Monika Gabriel ihre Zukunftsvision, in der es keinen GÖD-Bereich Frauen mehr gibt, sondern einen Bereich für gesellschaftspolitische Themen und Diversität, in der „Equal Pay Day“ ein Fremdwort ist, die Einkommensschere geschlossen ist, gleichwertige Arbeit adäquat entlohnt wird, der Urlaub für lange Erwerbstätige erhöht wird, die Gewerkschaften nach wie vor als Sozialpartner unverzichtbar sind und Gleichberechtigung auf allen gesellschaftlichen und gewerkschaftlichen Ebenen wirklich gelebt wird. Gabriel: „Die Beiträge, die wir heute über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehört haben, geben Hoffnung, dass sich auch in den nächsten fünfzig Jahren viel bewegen wird!“

Beitrag vom GÖD-Magazin 8/15, ab Seite 34
Text von Dr. Katharina Steiner

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