02.11.2015

Respekt und Hochachtung

Text: Monika Gabriel: GÖD-Vorsitzender-Stellvertreterin

 

und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

Unter zum Teil schwierigen, physisch und psychisch sehr herausfordernden Umständen versuchen unsere Bundes- und Landesbediensteten im Öffentlichen Dienst, die Flüchtlings- und Asylantenströme in und durch Österreich zu bewältigen. Dafür gebührt allen höchster Respekt und meine persönliche Hochachtung für diese Form der immensen und sehr fordernden Arbeitsbewältigung im Sinne des Gemeinwohls. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliches Handeln, diese Form des Handelns steht in keiner Arbeitsplatzbeschreibung und wird als solche auch nicht wirklich finanziell entlohnt. Diese Form der außergewöhnlichen Belastungen ist nur mit großer Menschlichkeit und mitunter noch größerer Improvisationskunst und Flexibilität zu meistern. Egal ob ExekutivbeamtInnen, die rund um die Uhr Dienst und Hilfe im Sinne der Sicherheit und Menschlichkeit leisten und somit geordnete Abläufe sicherstellen, oder KollegInnen in den Gesundheitsberufen (z. B. im Landeskrankenhaus Baden als erste Anlaufstelle für alle kranken Asylsuchenden in Traiskirchen), KollegInnen des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl, in den Erstaufnahme- bzw. Regionalstellen mit teils fehlenden oder zu wenigen Dolmetschern oder die KollegInnen der Justizverwaltung und der Justizwache mit der besonderen Herausforderung betreffend „Schlepperunwesen“, des Bundesheeres oder der Pädagogischen Berufe, die mit traumatisierten Kindern aus einem nichteuropäischen Kulturkreis arbeiten – nahezu alle Berufsgruppen des Öffentlichen Dienstes sind seit Wochen im Dauerstress, um mitzuhelfen, dass der Staat bestmöglich funktioniert, und den Hilfesuchenden, oft traumatisierte Flüchtlinge (Frauen, Kinder und Männer), und Asylsuchenden jene Hilfestellung zu geben, die uns als österreichischer Staat möglich ist. Ich höre in den letzten Wochen aber auch sehr viele Hilfeschreie von ausgepowerten KollegInnen, die mir erzählen, wie es wirklich vor Ort „zugeht“ (z. B. hunderte Anträge mehr am Tag, hunderte Personen mehr zu beraten, Dolmetscher fehlen, dramatische menschliche Schicksale, Überstunden bis spät in die Nacht oder gleich Rund-um-die-Uhr-Dienst u. v. a.m.). Die berufliche Situation ist zur Zeit für viele schwer zu bewältigen. Das Leid der „Anderen“, der negative Stress, die fehlenden gesundheitsfördernden Maßnahmen, die oft nicht vorhandene Anerkennung der vielen zusätzlichen dienstlichen Tätigkeiten samt kaum Anerkennung der erbrachten Leistungen stets zum Gemeinwohl „aller“ führen vermehrt zu Burn-out-Erkrankungen unserer KollegInnen. Ich würde mir sehr wünschen, dass unsere PolitikerInnen dies endlich erkennen würden und anerkennen, dass diese besonders beanspruchten Berufsgruppen endlich eine Entlastung erfahren und es zu einer raschen und nachhaltigen Verbesserung der teils prekären Personalsituation kommt. Frauen in diesen Berufsgruppen sind zur Zeit nicht nur doppelt belastet, sondern mehrfach belastet, da zum beruflichen Stress auch noch das „Familienmanagement“ dazukommt. Daher erlaube ich mir, allen FRAUEN meinen besonderen RESPEKT und meine HOCHACHTUNG für ihre LEISTUNGEN extra auszusprechen. Danke an alle, die mit der Flüchtlings- bzw. Asylproblematik befasst sind und vorbildliche Arbeit leisten! 

 

Erschienen im GÖD-Magazin 7/15

Schlagworte

Frauen

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