01.10.2019

Weniger verdienen - mehr bezahlen

Die von der GÖD in Auftrag gegebene IHS-Studie „Gender Pricing“ zeigt eindeutig höhere Kosten für Frauen für bestimmte Dienstleistungen und Produkte auf.

Text: MAG. LAURA ARI

 

Gender Pricing“ bedeutet, dass für gleiche bzw. gleichwertige Produkte oder Dienstleistungen unterschiedliche Preise für Männer und für Frauen verrechnet werden. Am 29. 8. 2019 wurde die Studie „Gender Pricing. Ist Frausein in Österreich eine ökonomische Herausforderung?“ am Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien präsentiert. Die darauffolgende hohe mediale Resonanz weist auf die gesellschaftspolitische Dringlichkeit des Themas hin. Denn die Studie belegt eindeutig geschlechtsspezifische Preissetzungen – zum Nachteil der Frauen – und zeigt damit einen dringenden Handlungsbedarf für die Gleichberechtigung der Geschlechter auf. GÖD-Vorsitzender Norbert Schnedl: „Die Ergebnisse der Studie sind leider eindeutig. Dass Frauen für dasselbe Produkt oder dieselbe Leistung bis zu doppelt so viel zahlen wie Männer, ist durch nichts zu rechtfertigen und sollte im 21. Jahrhundert längst der Vergangenheit angehören. Es gibt in Österreich ein Gleichbehandlungsgesetz, eine Gleichbehandlungskommission und eine Gleichbehandlungsanwaltschaft, um jegliche Diskriminierung von Frauen zu verhindern und zu bekämpfen. Es ist von höchster Wichtigkeit, dass die Öffentlichkeit hinsichtlich dieses Themas sensibilisiert wird – und den Verantwortlichen in den betreffenden Dienstleistungssektoren und der Industrie bewusst wird, dass Gender Pricing nicht gestattet beziehungsweise von den KonsumentInnen nicht gewünscht wird.“

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse der IHS-Studie von Dr.in Karin Schönpflug und Viktoria Eberhardt, BA belegen eine eindeutige Diskriminierung von Frauen in den von ihnen untersuchten Bereichen. Diese waren im Dienstleistungssektor Friseursalons und Textilreinigungen. Im Produktbereich wurden die Preise für alltägliche Körperpflegeprodukte verglichen. Weiters wurden die Kosten für Monatshygieneprodukte und Produkte zur Minderung von Beschwerden, die in den Wechseljahren auftreten, evaluiert.

Gleicher Service zum höheren Preis

Die Forscherinnen befragten telefonisch österreichweit 450 Friseursalons in 20 kaufkräftigen Städten. Es wurden die Kosten für den Service „Waschen, Schneiden, Föhnen für Damen mit Kurzhaar“ und der gleiche Service für Männer erfragt. Ergebnis war, dass Frauen im Durchschnitt 11 Euro mehr bezahlen müssen – und ein „Herrenservice“ für Frauen kaum möglich ist. 87 Prozent der befragten Friseursalons behandeln Frauen ungleich. Drastisch dabei ist, dass diese Handlungen in Österreich aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes nicht gestattet sind. Zusätzlich besagt ein Gutachten der Gleichbehandlungskommission konkret: „Aufgrund des Geschlechts darf niemand unmittelbar oder mittelbar beim Zugang zu und der Versorgung mit Friseurdienstleistungen, die in der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, diskriminiert werden.“1 Doch die Realität sieht offensichtlich anders aus. Der zweite untersuchte Dienstleistungssektor war Textilreinigung. Die Studienautorinnen erfragten von 80 der 270 Textilreinigungsfirmen Österreichs die Preise für die Reinigung einer Baumwollbluse und eines Baumwollhemdes. Wobei die Bluse bewusst im Schnitt eines Hemdes, ohne Details etc. angegeben wurde. Ergebnis war, dass 96 Prozent der befragten österreichischen Textilreinigungen für die Reinigung der Bluse mehr verrechnen – im Durchschnitt sogar mehr als den doppelten Preis als für ein Herrenhemd.

Wenn Frauen können, kaufen sie billiger

Der dritte untersuchte Bereich waren Körperpflegeprodukte (von Duschgel über Rasierer bis hin zu Shampoo und Bodylotion), deren Preise und Angebote für Männer und Frauen im Onlinehandel verglichen wurden. Die Erhebung ergab, dass Frauen zwar wesentlich teurere Produkte angeboten werden, sie aber, wenn sie die Möglichkeit haben, günstigere Produkte wählen: Durchschnittlich wurden Frauen um 9 Euro pro Packung teurere Produkte angeboten, am meisten nachgefragt wurden aber Produkte für Frauen, die im Durchschnitt 8 Euro billiger waren als jene Produkte für Männer.

Hohe Steuer für unverzichtbare Produkte

Abschließend wurden Produkte für Monatshygiene und Wechseljahre untersucht. Warum werden die für Frauen notwendigen Produkte mit 20 Prozent und nicht mit zehn bis 13 Prozent, wie Lebens- oder Arzneimittel in Österreich, besteuert? In Australien, Kanada und Indien wurde die Steuer auf Monatshygieneprodukte komplett aufgehoben, in anderen Ländern werden sie geringer besteuert. Auch Produkte, die die Beschwerden des Klimakteriums lindern, sind ebenfalls teuer – sie belaufen sich im Durchschnitt auf 24 Euro im Monat. Die Studienautorinnen weisen abschließend auf die generelle monetäre Situation von Frauen in Österreich hin: Sie erhalten weniger Einkommen als Männer, leisten mehr unbezahlte Arbeit – und müssen zudem auch noch höhere Preise für dieselben – oder aus biologischer Sicht notwendige Produkte – bezahlen. Frausein in Österreich kommt teuer, sogar teurer als in anderen Ländern.

Gender Pay Gap – Frauen verdienen weniger

Unabhängig von der IHS-Studie werden seit 2008 die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau – der „Gender Pay Gap“ – ermittelt und verglichen. Der „Gender Pay Gap“, die Einkommensschere, beträgt in Österreichs Privatwirtschaft 19,9 Prozent, das entspricht einem Fünftel weniger Verdienst für Frauen. Im Öffentlichen Dienst sind es nur elf Prozent. „Auch wenn wir im Öffentlichen Dienst geringere Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen vorweisen können, gibt es immer noch viel zu tun! Österreich weist den höchsten Gender Pay Gap innerhalb der Europäischen Union auf. Zum Vergleich: In Rumänien beträgt er 3,5 Prozent, in Italien fünf Prozent“, sagt Monika Gabriel, GÖD-Vorsitzenden-Stellvertreterin und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen. „Bei denselben Arbeitsbedingungen, sprich Qualität und Vollzeitbeschäftigung, arbeiten Frauen in Österreich rund zweieinhalb Monate ohne Entlohnung“, zeigt sich Monika Gabriel unzufrieden. Bei Teilzeittätigkeit, die meist durch Kindererziehung und/ oder Pflegetätigkeiten im familiären Umfeld begründet ist, sinkt das Bruttolebenseinkommen von Frauen um 600.000 bis 950.000 Euro. Im Öffentlichen Dienst ist die Beteiligung der Väter an der Kindererziehung höher als in der Privatwirtschaft: 17 Prozent der Väter nehmen Kinderbetreuungsgeld und damit Karenz in Anspruch, in der Privatwirtschaft sind es nur 3,84 Prozent der Väter – und 96 Prozent der Frauen.

Diskriminierung rechtlich verboten

„Österreich hat sich rechtlich und politisch dazu verpflichtet, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht zu dulden. Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union enthält Diskriminierungsverbote, die für alle gelten müssen. Das Thema Gender – besonders im Sinne von Gleichberechtigung – ist daher ein Thema, das alle betrifft, Männer wie Frauen. Die Gender-Pricing-Studie soll einen Denkanstoß in der Öffentlichkeit wie in der Wirtschaft bewirken. Denn Gleichbehandlung ist mehr als ein Gebot“, betont Monika Gabriel, Initiatorin der IHS-Studie, abschließend.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 7/19.

Schlagworte

Frauen

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