01.06.2020

Abstand ist der neue Anstand

Text: Monika Gabriel: GÖD-Vorsitzender-Stellvertreterin
und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

Obgleich „corona“ Krone, Kranz oder frohe Runde bedeutet, ist diese Pandemie vielmehr eine „Plage“. Unser Leben wurde Anfang März 2020 von heute auf morgen ein anderes. Die Politik war und ist weiterhin gefordert, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen, um Menschenleben zu retten. Aus meiner Sicht hat diese Regierung human, transparent, und mit Weitblick gehandelt. Im gesamten Öffentlichen Dienst kam es zu einer ungeplanten Vollbremsung. Alle Führungskräfte trafen sehr rasch Entscheidungen. Dienstaufgaben, Dienst- und Einsatzpläne mussten adaptiert werden, damit das System für die verschiedenen Staatsaufgaben für alle BürgerInnen bestmöglich funktioniert. Besonders gefordert sind unsere KollegInnen der Exekutive, des Bundesheers, des gesamten Krankenhauspersonals sowie alle LehrerInnen im pädagogisch-schulischen und universitären Bereich. Die Herausforderung bestand darin, Flexibilität und Einfallsreichtum in den „praktischen Lehrer-/Schüleralltag“ zu implementieren. Sinnerfüllendes, zukunftsorientiertes Lernen via Distance Learning ist nicht einfach umzusetzen. Mir wurde mitgeteilt, dass die Eltern die Arbeit der LehrerInnen nun mit anderen Augen und mehr Wertschätzung sehen. Der entstandene Mehrfachstress innerhalb der eigenen vier Wände – auch aufgrund der Kinderbetreuung – empfinden manche als besonders belastend, berichteten mir vor allem alleinerziehende KollegInnen.

Homeoffice hat Akzeptanz erreicht

Das im Öffentlichen Dienst lange Zeit „ungeliebte Kind“ Homeoffice wurde plötzlich zur hochbejubelten Arbeitsform und hat die volle Akzeptanz des Dienstgebers erhalten! Selbst SkeptikerInnen geben nun zu, dass Teleworking1 funktioniert. Das ist eine der erfreulichen Erkenntnisse dieser Krise. Als GÖD „werben“ wir seit Jahren für die Möglichkeit des Teleworkings: Homeoffice ein zukunftsorientiertes Arbeitsmodell, das auf die persönlichen Arbeitsbedürfnisse aufgrund familiärer oder gesundheitlicher Herausforderungen, aber auch auf unsere Umwelt Rücksicht nimmt!

Frauen als Systemerhalterinnen

Mein besonderer Dank gilt nun allen Frauen, die in systemrelevanten Bereichen des Öffentlichen Dienstes erwerbstätig sind, um den Öffentlichen Dienst auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten: 64 Prozent Frauen in der Krankenpflege, 60 Prozent im LehrerInnenbereich, 53 Prozent in der Verwaltung.2 Oft erfüllen Frauen nicht nur ihre beruflichen Aufgaben mit Engagement, Sach- und Fachverstand, sondern organisieren auch noch die weiteren sozialen Herausforderungen der Familie wie Kindererziehung, Haushaltsführung, Pflegebetreuung und vieles mehr. An dieser Stelle sage ich DANKE an alle FRAUEN, die diese familien- und gesellschaftspolitisch wichtigen zusätzlichen Herausforderungen bewältigen. Mittlerweile gibt es Partnerschaften mit einer praktikablen, fairen Aufgabenverteilung. In diesem Falle gratuliere ich Ihnen zu dieser gemeinsamen Lebensform und Erledigung der familiären Zusatzaufgaben. Diese Pandemie zeigte uns etwas Positives: umzudenken und mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Ich wünsche uns allen, dass nach der CoronaKrise mehr Wir-Gefühl, Lebensfreude, Balance, Aufmerksamkeit und mehr Achtsamkeit sowie Respekt vor der Natur bewusster gelebt werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute und „Xundheit“! Ihre Monika Gabriel.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 3/20.

Schlagworte

Frauen

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