02.07.2015

Gewerkschaftsfrauen: 70 Jahre starker Einsatz

Bereits seit 70 Jahren engagieren sich die Gewerkschaftsfrauen (ÖGB-Frauen) über alle Fraktionen und ­Fachgewerkschaften hinweg für die Interessen der erwerbstätigen Frauen​​​​​​​.

Text: Monika Gabriel: GÖD-Vorsitzender-Stellvertreterin
und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

Im September 1945, nur wenige Monate nach der Gründung des ÖGB, fand die konstituierende Sitzung der ÖGB-Frauen statt. Maßgebliche historische Meilensteine folgten: die Abschaffung der Frauenlohngruppen, die Anrechnung der Karenz als Ersatzzeit in der Pensionsversicherung, die Ausweitung des Mutterschutzes, Karenzgeldbezug für alle Arbeitnehmerinnen, Familienrechtsreform (z.B. Ermöglichung der Berufstätigkeit verheirateter Frauen ohne Zustimmung des Mannes), Gleichstellung der ArbeiterInnen mit den Angestellten beim Abfertigungsanspruch, Gleichbehandlungsgesetze, Elternkarenzurlaubsgesetze, Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe, Familienbeihilfe, Pflegefreistellung für Eltern, Abfertigung neu, Pensionssplitting, Kinderbetreuungsgeld neu und vieles andere mehr. In der GÖD-Organisation wird ein Frauenkomitee in einer Bundessektion (Mittelschullehrer) und in zwei Landesvorständen (Oberösterreich und Vorarlberg) bereits zwischen 1946 bis 1952 erwähnt, danach jedoch nicht mehr. Erst 1965 schlägt die eigentliche Geburtsstunde des GÖD-Bereichs Frauen (damals Frauenreferat). Von den Fraktionen FCG und FSG wurde je eine Frau als Vorsitzende bzw. stellvertretende Vorsitzende (von Männern) entsandt bzw. mit Frauenagenden „betraut“. Am GÖD-Gewerkschaftskongress 1997 wählten die TeilnehmerInnen mit Hofrätin Christine Gubitzer erstmals eine Frau zur Vorsitzenden-Stellvertreterin. Seitdem ist im Präsidium der GÖD eine Frau vertreten. Christine Gubitzer setzte sich auch als Leiterin des GÖD-Bereichs Frauen für die Anliegen ihrer Kolleginnen ein. Ihre Stellvertreterin war bis 2007 Mag. Eva Salomon, danach übernahm Korinna Schumann diese Funktion. Die GÖD-Frauen waren von Anfang an auch stark eingebunden bei fast allen ÖGBFrauen-Anliegen, die zu einer Gesetzeswerdung führten. Außerdem konnten sie bei den zahlreichen Dienstrechtsnovellen am Verhandlungstisch aktiv mitwirken. So kam es unter anderem zum Entstehen des BundesGleichbehandlungsgesetzes, des BundesKarenzurlaubsgesetzes, zum „Mobbingverbot“ § 43a, zum Papamonat sowie zum vollen Kinderzuschuss für alle Dienstnehmerinnen. Viele frauenpolitische und arbeits-, sozial sowie besoldungsrelevante Verbesserungen wurden durch den starken Einsatz der Frauen bereits erreicht! Für ein „Happy End“ im Sinne der erlebbaren Gleichbehandlung und Gleichberechtigung und des partnerschaftlichen, respektvollen Umgangs miteinander ist aber immer noch Luft nach oben – die gewerkschafts- und frauenpolitische Arbeit wird auch von mir mit Nachdruck weiter forciert.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 5/15

Schlagworte

Frauen

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