05.05.2014

(K)ein gutes Vorbild

Text: Korinna Schumann, Stv. Leiterin
des GÖD-Bereichs Frauen

 

Als Frau kann man stolz sein, in der Verwaltung des Öffentlichen Dienstes zu arbeiten. Beispielgebend vor allem für die Privatwirtschaft sind die Gehaltsschemata, die Frauenfördermaßnahmen, die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Angebote der Aus- und Weiterbildung. Stolz sein, dafür zu arbeiten, dass die Umsetzung von Maßnahmen im Sinne sozialer Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft möglich wird. Stellen wir doch wesentliche Leistungen für Menschen bereit, die „es sich nicht so richten können“. Doch der Aufnahmestopp in den verschiedensten Ausprägungen sorgt für ein sukzessives Ausdünnen der Verwaltung. Dabei ist zu beachten, dass der Bereich der Verwaltung einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil aufweist. Seit 1999 wurde jeder sechste Arbeitsplatz nicht nachbesetzt, was auch weniger Chancen für bestens qualifizierte Frauen bedeutet. Junge MitarbeiterInnen sind jetzt schon bestaunte „Ausnahmegestalten“. Durch diese Personalpolitik wird der Wissenstransfer sehr eingeschränkt. Nur das Zusammenwirken von neuem Schwung, großem Fachwissen und jahrelanger Erfahrung ermöglicht es der Verwaltung jene höchsten Leistungen zu erbringen, die die Menschen von ihr erwarten.

Fakt ist:
In den vergangenen sechs Jahren ist der Frauenanteil im Bundesdienst kontinuierlich gestiegen. Speziell im Bereich der öffentlichen Bundesverwaltung ist der Frauenanteil mit 53 Prozent relativ hoch, sodass man sagen könnte: „Die Verwaltung ist weiblich.“ Leider spiegelt sich dieser hohe Frauenanteil nicht auf der Führungsebene wider. 11,4 Prozent der Gesamtbeschäftigten in Österreich sind in den öffentlichen Diensten tätig. Laut OECD sollten sie bei 15 Prozent liegen. Nordische Länder, die immer wieder gerne zum Vergleich herangezogen werden, haben einen wesentlich höheren Anteil der Erwerbstätigen in den öffentlichen Diensten, trotz niedriger Gesamtbevölkerungsdichte. Z. B. Norwegen: Einwohnerzahl 5.063.709 – davon 29,3 Prozent öffentlich Bedienstete! Demografisch gesehen „veraltert“ der Bundesdienst in Österreich. 37 Prozent der MitarbeiterInnen sind 50 Jahre und älter. Eine noch funktionierende Verwaltung mit gelebter Wertschätzung, Diversitätsmanagement und besserer Anrechnung von Vordienstzeiten bedarf einer adäquaten Bezahlung der MitarbeiterInnen mit höheren Anfangsbezügen und flacherem Gehaltsverlauf! Der seit Jahren praktizierte Aufnahmestopp ist wohl die ungeeignetste Maßnahme zur Systemverbesserung! Dennoch ist unser Öffentlicher Dienst effizient, verlässlich, modern und sparsam.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 3/14.

Schlagworte

Frauen

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