07.02.2018

Männerbild im Wandel?

Text: GÖD-Vorsitzender-Stellvertreterin
und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

Wie die Männerforschung zeigt, sind in den letzten Jahren Veränderungen der männlichen Muster spürbar geworden.

Vor einigen Wochen hatte ich die einmalige Gelegenheit, Professor Mag. Dr. Erich Lehner zum Thema „Gleichberechtigung, Gleichbehandlung, Männerbild im Wandel?“ live zu erleben. Professor Lehner lehrt an der Alpen- Adria-Universität Klagenfurt, in Wien und Graz und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Männerarbeit im Sinne von kritischer Männerforschung. Sein Vortrag begann mit einem kurzen Überblick des Männerbildes zwischen den Jahren 1950 und 2017 und kann, kurz zusammengefasst, so dargestellt werden:

1950: Männer als Familienmenschen
1990: „Neuer Mann“
2016: 19 Prozent der Väter gehen in Karenz, 24 bis 30 Prozent widmen sich der Familienpflege.

Aus Expertensicht könnte es ein Zeichen neuer Männlichkeiten sein, dass die Kommunikation in Chefetagen nicht nur am Wirtshaustisch erfolgt, sondern tatsächlich auch in den Konferenzräumen, zumal die Geschlechtermischung in der gesamten Berufswelt mittlerweile Einzug gehalten hat und schon allein aufgrund dieser Tatsache „anders“ miteinander kommuniziert wird.

Laut Männerforscher Lehner wird die Veränderung der Muster von Männlichkeit sicht- und spürbar. Dennoch sollte weiterhin eine Stärkung von Formen einer sorgenden Männlichkeit nicht außer Acht gelassen werden. Genauso ist es weiterhin notwendig, auf Frauenförderung, im Sinne von Partnerschaftlichkeit, zu appellieren. Denn Geschlechtergerechtigkeit, die nachhaltig ist, muss auch von Männern getragen werden, braucht aber Veränderung der Männlichkeit. Speziell in der Berufswelt sollten wir uns laut Professor Lehner an der Geschlechtergerechtigkeit orientieren, die selbstverständlich von Frauen und Männern getragen werden sollte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der hauptsächliche Adressat für die Geschlechtergerechtigkeit sind aber nach wie vor Männer, vor allem im Kontakt zu Frauen und im Rahmen von Gender-Mainstreaming. Denn die Gleichstellung erhöht die Lebensqualität beider Geschlechter (Studie Holter, Svare & Egeland, 2007*). Darüber hinaus erhöht die Gleichstellung die väterliche Präsenz und minimiert fast automatisch Gewalt. Eine Vision einer „vor- und nachsorgenden Männlichkeit“ könnte sein, dass zwei Drittel der Männer in die Väterkarenz gehen und drei Viertel der Männer Teilzeit arbeiten.

Frei nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ will auch ich gerne daran festhalten, dass sich das Männerbild im Wandel befindet und irgendwann noch mehr gelebte Gleichbehandlung und Gleichstellung – im Sinne von gemeinsamer Partnerschaftlichkeit – das gesellschaftliche und berufliche Lebensbild verändern wird.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 01/18

Schlagworte

Frauen

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