15.05.2019

Empowerment vorantreiben

Die Gleichstellung von Frauen und Männern zählt zu den Grundwerten der Europäischen Union. Es ist unser Anliegen, dass mehr Frauen in repräsentative EU-Funktionen gewählt werden.

 

Text: Monika Gabriel: GÖD-VorsitzendenStellvertreterin
und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

Die EU bedeutet für mich das lohnendste Friedensprojekt aller Zeiten. Ich bin sehr dankbar, dass ich die bisherige Zeit meines Lebens in absoluter Friedenszeit erleben durfte, und hoffe sehr, dass dieses besondere Leben in Frieden, Freiheit und relativem Wohlstand weiterhin gewährleistet bleibt. Dennoch sollte es uns ein Anliegen sein, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit sowie die kulturellen Aspekte der einzelnen EU-Länder zu beachten und zu respektieren. Dies könnte zu noch mehr EU-Akzeptanz führen als bisher. In meiner Funktion als Frauenvorsitzende ist es mir ein besonderes Anliegen, dass mehr Frauen als bisher in repräsentative EU-Funktionen gewählt werden. Daher sollten wir gemeinsam mit unserer Stimme dazu beitragen, dass der Anteil an gewählten Mandatarinnen angehoben wird – denn immerhin beträgt der Anteil an Frauen in Europa 52 Prozent. Aktuell gehören der Europäischen Kommission, die sich aus 28 EU-Staaten zusammensetzt, lediglich neun Frauen an, was einen Anteil von zirka 33 Prozent ausmacht. Der Anteil der Frauen im EU-Parlament beträgt derzeit 36 Prozent. Der guten Ordnung halber sei aber auch erwähnt, dass die Europäische Kommission unterschiedliche „Arbeitsgruppen“ hat, die im Hintergrund viel Vorbereitungsarbeit leisten. Wie zum Beispiel die hochrangige Gruppe für die Gleichstellung der Geschlechter und Vielfalt. Den Vorsitz führt Dimitrios Papadimoulis (GUE/ENGL-EL), aber acht Frauen gehören dieser Arbeitsgruppe an. Österreich wird durch Frau Mag. Dr. Angelika Mlinar (ALDE-AT) vertreten. Diese Gruppe setzt sich vor allem für die Förderung und Umsetzung des Gender-Mainstreamings bei den Tätigkeiten und den Strukturen und Gremien des EU-Parlaments sowie für die Förderung der Werte Gleichstellung und Diskriminierungsverbot in der Verwaltung des Parlaments ein. Darüber hinaus gibt es auch eine hochrangige Gruppe, die sich insbesondere für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM-Ausschuss) einsetzt. Betreffend interner Führungspositionen konnte diese Gruppe Erfolge verzeichnen. 2018 wurde unter anderem auch eine große Bedeutung der Sicherstellung eines sicheren und inklusiven Arbeitsumfeldes für alle Bediensteten – gegen Mobbing – vorangetrieben. Aus meiner Sicht wäre es zusätzlich wichtig und fair, dass der frauenpolitische Blickwinkel verstärkt in Richtung Partnerschaftlichkeit eingebracht wird, damit in Zukunft der gesellschaftspolitische Fokus in der EU-Politik noch mehr in den Mittelpunkt rückt. Ebenso wichtig erscheint mir, dass die Ökosoziale Marktwirtschaft vorangetrieben wird. Stellt doch die soziale Gerechtigkeit eine der Säulen dieser Marktwirtschaft dar und bildet somit eine Voraussetzung für den gesellschaftlichen Konsens, die ökologische Nachhaltigkeit für das Überleben der Zivilisation schlechthin. Aus gesellschaftspolitischer Sicht wären auch Themen wie weitere Verbesserungen betreffend der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Entgeltgleichheit für gleiche Arbeit innerhalb der EU zu fördern und zu unterstützen.

 

Text: Mag. Romana Deckenbacher: GÖD-Vorsitzenden-Stellvertreterin und Bereichsleiterin Soziale Betreuung

 

Die Gleichstellung von Frauen und Männern, unter anderem was den Faktor Einkommen und Selbstbestimmung betrifft, ist ein gemeinsamer Wert der Europäischen Union. Die Förderung der Gleichstellung ist somit ein wichtiges Anliegen, um die Ziele der „Strategie Europa 2020“ zu erreichen. Zwar hat sich die Anzahl der armutsund ausgrenzungsgefährdeten Personen in Österreich zwischen 2008 und 2017 um 136.000 Menschen verringert, doch sind Haushalte mit „weiblichem Hauptverdienst“, Haushalte mit drei oder mehr Kindern und alleinstehende Pensionistinnen in Österreich weiterhin besonders armutsgefährdende Gruppen. Sieht man das aus frauenpolitischer Sicht, dann bedeutet das, dass für die Erreichung der Europa-2020-Ziele einerseits die Erwerbsbeteiligung von Frauen gesteigert werden muss, und andererseits, dass es dringend notwendig ist, die wirtschaftliche Absicherung, soziale Akzeptanz, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen sicherzustellen. Es ist daher wichtig, dass die für die Förderung von Frauenrechten und Geschlechtergleichstellung zuständigen Organe und Institutionen in der Europäischen Union – der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) und das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) – entsprechend gestärkt werden. So bleibt nur zu hoffen, dass in all diesen Gremien in Zukunft auch Frauen aus Österreich ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen und so ihren wertvollen Beitrag als Mandatarinnen oder auch als Expertinnen einbringen können. Denn der frauenpolitische Blickwinkel zur Gewährleistung einer wirklichen Gleichstellung von Frauen und Männern tut uns allen gut! Bitte – nützen Sie ihr Frauen-Wahlrecht, denn nur gemeinsam sind wir stark und können mehr bewegen.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 4/19.

Schlagworte

Frauen

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