01.10.2014

Gender Mainstreaming

„Gender Mainstreaming ist eine Strategie zur Verwirklichung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen.“

Text: MMAG. DANIEL SOUDEK, MBA MSC

 

Diese Einleitung der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Gender Mainstreaming/Budgeting (IMAG GMB) erklärt die Vielfältigkeit sowie die Bereiche des Gender Mainstreamings. Die verschiedenen Lebensbedingungen und Chancen für Frauen und Männer und verschiedenen Interessen sind dabei zu berücksichtigen. Probleme werden erkennbar und Lösungen gefunden. Doch warum wird der Begriff „Gender Mainstreaming“ oftmals als negativ und teilweise abwertend empfunden? Die zahlreichen Diskussionen, oft reduziert auf eine bloß gendergerechte Schreibweise, brachten kaum positive Veränderungen, sondern eher stark divergierende Meinungen zu diesem Thema. Bei vielen ist der Diskurs um das „Gendern“, also die Anwendung des Gender Mainstreamings, einzig auf die geschlechtergerechte Schreibweise verkürzt. Aber genau hier liegt der Fehler. Gender Mainstreaming/Budgeting ist weitaus mehr als eine Frage der Schreibweise. Die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern ist das Ziel. Die Schwierigkeit in der Umsetzung liegt oft darin, dass sich das unterschiedliche gesellschaftspolitische Rollenverständnis von Männern und Frauen im beruflichen und familiären Bereich aufgrund von Normen und frühe ren, teils antiquierten Rollenbildern hält und weiter tradiert wird. Immer noch gibt es per definitionem Frauenberufe und Männerberufe sowie eine Frauenund eine Männerrolle in der Kindererziehung und in anderen Lebensbereichen. Der Ansatz ist daher die Aufweichung dieser vordefinierten Rollen und eine Attraktivierung aller Bereiche – weg von bisherigen Klassifizierungen. Die ersten Ergebnisse von Gender Mainstreaming lassen bei jüngeren Generationen bereits vermehrt Veränderung zu den früheren Denkmustern erkennen. Mittlerweile ist eine Aufteilung der Karenzzeit und der Kinderbetreuung oder auch ein ausgewogenes Führungskräfteverhältnis zwischen Frauen und Männern mit Abbau der horizontalen und vertikalen Segmentation am Arbeitsmarkt vielfach schon selbstverständlich. Das Bundeskanzleramt nimmt hierbei eine besondere Rolle ein. Zum einen ist eine IMAG GMB im BKA beheimatet. Zum anderen existiert im Bundeskanzleramt, wie auch in allen anderen Ressorts, eine Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming/Budgeting, welche umfassende Schritte in den Teilbereichen des Personalwesens, Budgets, der Sprache, Bildung, Digitalisierung, im Gesundheitsbereich, bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen und in der Legistik setzt. Konkrete Maßnahmen im BKA sind u. a. die Motivation zur Bewerbung von Frauen für Führungsfunktionen, Unterricht über Gender Mainstreaming/Budgeting in Kursen, für Lehrlinge und VerwaltungspraktikantInnen, Girls Days Mini (ab 4 J.) und vieles mehr, um Geschlechterstereotypen entgegenzuwirken. Bei allen Schritten zur tatsächlichen Gleichstellung müssen die divergierenden Sichtweisen der Protagonisten, also der betroffenen Frauen und Männer, berücksichtigt und einem Diskurs unterzogen werden. Probleme müssen erkannt, und entsprechende Maßnahmen gesetzt werden. Dazu ist es in erster Linie notwendig, das Bewusstsein für die Problematik zu wecken und die Scheu vor Gender Mainstreaming als ständigem Prozess zu nehmen.

 

Erschienen im GÖD-Magazin 5/20

Schlagworte

Frauen

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