15.05.2019

Good news - bad news?

Lernen zu dürfen, sollte man meinen, ist ein „Privileg“, das SchülerInnen gerne annehmen. Doch die Realität an Schulen zeigt leider ein anderes Bild.

 

Text: Monika Gabriel: GÖD-VorsitzendenStellvertreterin
und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

Mit großem Interesse habe ich im April 2019 in der FAZ den Beitrag „Die Welt wird immer besser“ gelesen. Unter anderem schrieb der Autor Hans Rosling über die Schulbildung: „Wenn Frauen eine schulische Bildung haben, geschehen in den Gesellschaften ganz wunderbare Dinge. Die Erwerbsbevölkerung wird vielfältig, die Beschäftigten können bessere Entscheidungen treffen und mehr Probleme lösen. Dennoch gibt es noch Geschlechterunterschiede in Bezug auf Bildung in den extrem armen Ländern der Erde, besonders hinsichtlich der weiterführenden Schulbildung und der Hochschulbildung.“ In Österreich gibt es die kostenlose Schulpflicht. Unsere Schülerinnen und Schüler erhalten von der Volksschule über NMS oder Gymnasium bis inklusive dem 9. Pflichtschuljahr im BMHSBereich zahlreiche Unterstützungen wie zum Beispiel Schulbücher oder Schülerfreifahrt mit einem geringen Selbstbehalt. Selbst als „OberstufenschülerInnen“ (bis zur absolvierten Matura) beziehen unsere Kinder sozialstaatliche Leistungen. Lernen zu dürfen, sollte man meinen, ist ein „Privileg“, das wohl alle Schülerinnen und Schüler gerne mit voller Aufmerksamkeit, Respekt und Freude annehmen. Leider berichten die FachexpertInnen in den Schulen, unsere Pädagoginnen und Pädagogen, nur zum Teil von „freudiger Annahme“ des Lehrstoffes durch die SchülerInnen. Respektlosigkeit bis hin zu (tätlichen) Gewaltausbrüchen gegenüber den Unterrichtenden kommen mittlerweile immer häufiger vor. Das hören und lesen wir auch in den Medien. Die Statistik Austria lässt uns wissen, dass das österreichische Bildungsniveau insgesamt ständig steigt und die geschlechtsspezifischen Unterschiede weiter abnehmen. 50,7 Prozent der jungen Frauen legten 2016/17 die Matura ab – und 35,7 Prozent der jungen Männer. Bei den Lehrabschlüssen zeigt sich ein anderes Bild: 60,1 Prozent Männer und 39,9 Prozent Frauen schließen die Lehre erfolgreich ab. Zurzeit besuchen fast 302.000 männliche und etwa 291.000 weibliche SchülerInnen eine BMHS; etwa 218.000 männliche und 261.200 weibliche SchülerInnen besuchen ein Gymnasium bzw. eine AHS. Von den vielen tausenden Schülerinnen und Schülern, die „froh sind, lernen zu dürfen“, und respektvoll mit Erwachsenen umgehen – und diese selbstverständlich umgekehrt auch mit ihnen –, hören und lesen wir selten. Leider gilt auch hier „Bad news are good news“. Oft genügt ein verdorbener Apfel, der alle anderen Äpfel auch verderben lässt. Aber der eine „verdorbene Apfel“ könnte auch rechtzeitig „in eine andere Schüssel“ aussortiert werden, um Gewalt rechtzeitig an den Schulen zu verhindern. Sanktionsmöglichkeiten wären notwendig, meint Ihre Monika Gabriel. 

 

Erschienen im GÖD-Magazin 5/19.

Schlagworte

Frauen

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