08.11.2020

DNA, Mutationen und Tests

Die Virologin Dr.in Monika Redlberger-Fritz, die am Zentrum
für Virologie der Medizinischen Universität Wien forscht und
lehrt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums ist, erklärt
im Interview mit „GÖD aktuell“, warum mRNA-Impfstoffe
nicht in die DNA eingreifen können, wie auf Virus-Mutationen
reagiert werden kann und was bei den verschiedenen Covid-
19-Tests zu beachten ist.

INTERVIEW: MAG.a LAURA ARI

„GÖD aktuell“: Es werden verschiedene bewusst falsche Gerüchte bezüglich Impfung, wie beispielsweise, dass mRNA-Impfstoffe in das menschliche Erbgut eingreifen können, in diversen Medien verbreitet. Was halten Sie dagegen?

Dr.in Monika Redlberger-Fritz: mRNA lässt sich nicht in die DNA einbauen, weil es chemisch eine andere Struktur ist – es funktioniert einfach nicht. Lassen Sie mich das anhand folgender Analogie erklären: Die DNA befindet sich in unserem Zellkern, das ist unsere genetische Information – die sich mit einer riesigen Bibliothek vergleichen lässt. Die mRNA wäre nichts anderes als die Kopie eines einzigen Buches dieser Bibliothek. Und in dieser Kopie wurden auch noch alle Buchstaben A durch ein U ersetzt. Der Informationsgehalt dieser Kopie ist derselbe, aber die Struktur ist so anders, dass ich diese Kopie niemals zurück in die Bibliothek stellen kann. Dadurch ist es klar, wenn man die mRNA des Spike- Proteins des Coronavirus – die Kopie eines Buches – injiziert bekommt, kann es nie in die Gesamtbibliothek DNA gelangen, weil die chemische Struktur nicht passt. mRNA und DNA klingt nur ähnlich, ist aber anders.

Aktuell wird die britische Mutation des Corona- Virus mit Sorge beobachtet – schützen die bereits zugelassenen Impfstoffe dennoch?

Ich kann nur zum derzeitigen Wissensstand berichten – wir sahen bei Corona ja, dass innerhalb weniger Wochen eine neue Situation entstehen kann, daher sind keine Langzeitprognosen möglich. Die aktuellen Daten, die auf den bereits geimpften Personen, den Studienprobanden, beruhen, weisen darauf hin, dass die jetzige Mutation keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Impfung hat. Wie sich das Virus weiterentwickelt – wie die Situation in drei oder sechs Monaten aussieht –, kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Wie kann auf mögliche weitere Mutationen reagiert werden? Durch die mRNA-Technologie ist es relativ einfach, die Impfstoffe anzupassen und in der Produktion „umzustellen“. Da sollte es keine Probleme geben, die Variante, die in der Impfung enthalten ist, wird der zirkulierenden Variante des Virus angepasst.

Beziehen sich diese Aussagen auf die derzeit zugelassenen Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna, wobei mit ersterem bereits in Österreich geimpft wird?

Ja, genau. Diese Impfstoffe sind beides mRNA-Impfstoffe.

Könnte man den Impfstoff von AstraZeneca, der sich derzeit noch in der Zulassung befindet, ebenfalls so schnell anpassen? (Anm. d. Red.: Interview am 20. Jänner 2021 geführt)

Ja, absolut. Auch bei diesem Impfstoff würde es kein großes Problem darstellen, die Produktion umzustellen. Auch dort wird die genetische Information des Spike-Proteins eingebracht. Generell ist eine Impfung, wenn sie zugelassen ist, sicher. Nicht ohne Grund sind die Zulassungsverfahren so streng – alle Kriterien der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) müssen zuvor erfüllt
werden. Wenn der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen wird und auf den Markt kommt, ist er als sicher zu betrachten – und daher genauso sicher wie die mRNA-Impfstoffe. Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca hat gegenüber den genannten mRNAImpfstoffen den Vorteil, dass nach der zweiten Teilimpfung weniger Nebenwirkungen als bei der ersten Teilimpfung vermerkt wurden. Im Gegensatz zu jenem von BioNTech/Pfizer, wo die Nebenwirkungen bei der zweiten Teilimpfung höher waren. Neben der Impfung wird uns das Testen noch eine Zeit lang begleiten. Es sind derzeit verschiedene Tests im Umlauf. Welche Tests würden Sie als Virologin bevorzugen bzw. welche Vor- und Nachteile haben sie? Derzeit gibt es die PCR- und die Antigen-Tests. Aus
virologischer Sicht präferiere ich die PCR-Tests. Sie haben eine höhere Sensitivität, eine höhere Spezifität und gelten immer noch als der „Gold-Standard“ in der Diagnostik. Sie haben natürlich den Nachteil, dass sie nicht so einfach zugänglich sind, sprich, man muss zum Arzt gehen, um einen Abstrich zu machen, welcher ins Labor eingesandt wird und dann auf dessen Ergebnis warten, da vergeht Zeit. Daher verstehe ich das Bedürfnis nach Tests, die innerhalb von 20 Minuten ein Ergebnis liefern. Diese Antigen-Schnelltests sind zwar unterschiedlich in ihrer Qualität, aber ihre Gemeinsamkeit liegt darin, dass sie nur jene Patienten mit hohen Viruslasten „erfassen“ – also Personen, die zum Zeitpunkt des Tests hohe Viruslasten ausscheiden. Antigenschnelltests können aber nicht alle infektiösen Personen erkennen (niedrigere Viruslasten werden von Antigentests nicht erfasst), man spricht dann von
„falsch negativen Ergebnissen“. Es ist aber auch wichtig festzuhalten, dass die Inkubationszeit von Covid-19 zwei bis 14 Tage beträgt, die meisten Menschen erkranken fünf Tage nach
einer Infektion. Es ist beispielsweise möglich, dass man nach einem negativen Testergebnis einen Tag später positiv wird – z. B. dann, wenn der Infektionszeitpunkt nur kurz vor dem Testzeitpunkt stattgefunden hat. Man kann also trotz Vorliegen eines negativen
Testergebnisses dennoch ansteckend sein bzw. werden. Ein negatives Testergebnis bedeutet daher nicht, dass man die Schutzmaßnahmen, wie Abstand halten, Maske tragen etc., nicht einzuhalten braucht. Dementsprechend gilt: Die Antigen- Tests sind ein guter Hinweis – man kann diejenigen, die zum Zeitpunkt des Tests viel Viruslast haben, also sehr ansteckend sind, herausfischen – aber man entdeckt nicht alle.

Auch falsch negative Tests sind möglich. Die Aussagekraft von Tests ist nicht zu
hundert Prozent sicher. Ein Test ist immer nur eine Momentaufnahme, der Antigentest ebenso wie der PCR-Test.

Man muss diese Antigentests aus zwei Perspektiven betrachten: Entweder als Individualdiagnostik, sprich, wenn man selbst wissen möchte, ob
man infektiös für andere ist. Dieses Testergebnis gilt nur für diesen einen Tag und man muss im Hinterkopf behalten, dass z. B. aufgrund geringerer Viruslast auch falsch negative Ergebnisse möglich sind. Oder man schaut sich viele regelmäßige Tests in einer bestimmten Personengruppe an, wie zum Beispiel in einer Schulklasse. Dann kann man, wenn man wöchentlich testet, am Montag jene erwischen, die sich in der Woche davor angesteckt haben, aber nicht jene, die sich am Ende der Woche und am Wochenende angesteckt haben. Diese wird man in der Woche darauf erwischen (sofern die Personen genügend hohe Viruslasten ausscheiden). Man kann damit die Zirkulation des Virus nicht vollständig unterbinden, es ist in Gruppenkohorten dennoch eine gute Methode, um die Viruszirkulation zurückzudrängen – es befreit diese Gruppe aber nicht davor, Abstand zu halten und  Masken zu tragen. Gibt es Unterschiede zwischen den Antigen-Tests? Wenn es um einen symptomatischen Patienten geht, würde ich den Rachen-Nasen-Abstrich bevorzugen. Möchte man nur ein Screening machen, ist es einerlei, ob Rachen-Nasen-, Gurgel- oder Spuck- Test, denn da ist die Person meist asymptomatisch und der Test zeigt nur jene an, die hochinfektiös sind – und die hohen Viruslasten erwischt man auch im Speichel. Keiner dieser Tests zeigt an, dass man nicht infektiös ist


Zur britischen Mutation des Coronavirus – wie
können wir uns davor schützen?


Mit den üblichen Maßnahmen: Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen. Diese wirken aus virologischer Sicht, solange man nicht geimpft ist, immer noch am besten.


Abschließend zu den FFP2-Masken – schützen
diese besser?


Ja, weil sie eine höhere Filterwirkung haben, und sie machen vor allem dann einen Unterschied, wenn sie korrekt getragen werden. Auf keinen Fall unter der Nase.


Eine persönliche Frage: Welche beruflichen Hochund
Tiefpunkte hatten Sie im vergangenen Jahr?


Wie wahrscheinlich alle Virologinnen und Virologen trat plötzlich eine massive Arbeitslast auf und immer, wenn wir dachten, jetzt haben wir den Gipfel bzw. das Plateau erreicht, ist sie noch mehr und intensiver geworden. Daher kann ich gar nicht von Hoch- oder Tiefpunkten sprechen, sondern immer nur von Niveauerhöhungen, die immer noch stattfinden. Woher nehmen Sie die Kraft, wie lenken Sie sich von den beruflichen Herausforderungen ab? Wenn ich nach Hause komme, werde ich abgelenkt – von meinem Sohn, der heuer mit der ersten Klasse Volksschule begonnen hat. Was ich als sehr schön und positiv empfinde. Und daher ist mir auch Homeoffice in Kombination mit Homeschooling nicht fremd.

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