02.03.2015

Mit den "Klinikmäusen" Beruf und Familie vereinbaren

Durch den Einsatz des Betriebsrates des LKH Bregenz wurde vor drei Jahren ein Betriebskindergarten eingerichtet. Ein erfolgsprojekt, das tolle betreuung und flexible Öffnungszeiten vereint.
 

 

Text: Monika Gabriel: GÖD-Vorsitzender-Stellvertreterin 
und Bereichsleiterin der GÖD-Frauen

 

 

Das Betriebsratsteam des Landeskrankenhauses Bregenz in Vorarlberg hat vor etwa drei Jahren die Eigeninitiative ergriffen und trotz so mancher widriger Umstände eine eigene Kinderbetreuungseinrichtung „erschaffen“. Die ursprünglichen Beweggründe für dieses besonders engagierte Projekt des Betriebsrates waren die vielen MitarbeiterInnenanfragen bezüglich Kinderbetreuung. Nach einer Bedarfserhebung unter allen KollegInnen wurde festgestellt, dass 60 Kinderbetreuungsplätze benötigt werden.

Betreuung bis 6 Jahre

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Bregenz erhielten so die Möglichkeit, ihre Lieblinge an den Ort ihrer Erwerbstätigkeit mitzubringen. Je nach Entwicklungsstand des Kindes – mehrere pädagogisch ausgebildete Fachkräfte treffen diese Entscheidung im Team – kommt das Kind in die „Fröschlä-Gruppe“ (etwa 0 bis 2 Jahre), in die „Zwerglä-Gruppe“ (etwa 3 bis 4 Jahre) oder in die „Tiger-Enten-Gruppe“ (etwa 5 bis 6 Jahre). Diese Form der Betriebskinderbetreuung findet in einem ehemaligen Schwimmbad im Studieninternat Marianum statt, welches direkt dem LKH Bregenz angeschlossen ist und mittlerweile perfekt für die Kleinen umgebaut wurde. Die MitarbeiterInnen können die Anwesenheitszeit für ihre Kleinsten zwischen 6.30 Uhr und 19 Uhr frei wählen und zahlen für die Betreuung 1 Euro pro Stunde. Während dieser Aufenthaltszeit werden die Kinder pädagogisch gefördert, und für den Spaziergang an der frischen Vorarlberger Luft wurde auch Vorsorge getroffen. Ein mehr als fairer Preis für die dort Erwerbstätigen, die sehr oft einen Schicht- oder Wechseldienstplan haben und somit für „normale Kinderbetreuungseinrichtungen mit starren Öffnungs- und Schließzeiten kaum ihrem Beruf in einem Krankenhausbetrieb in Vollbeschäftigung nachkommen könnten.

Teilzeit und Elternkarenz geht zurück

Bei einem Betriebsbesuch im LKH Bregenz, der von der GÖD-Landessekretärin Petra Rührnschopf organisiert wurde, durfte ich mich gemeinsam mit der ÖGB-Frauenvorsitzenden Vorarlberg, Kollegin Doris Pfeiffer (GDG-KMSfB), von der Qualität dieser Kinderbetreuungseinrichtung und der überaus hohen Zufriedenheit der Eltern und der Kinder überzeugen. Die allgemeine Zufriedenheit und Freude waren deutlich erlebbar. Zur Zeit werden täglich 64 Kinder liebevoll von pädagogisch ausgebildeten Kindergartenpädagoginnen und einem Kindergartenpädagogen aufgezogen. Der Vorsitzende des Betriebsrates und seine Stellvertreterin, Thomas Steurer und Patricia Zangerl, erzählten unter anderem auch, dass in den letzten drei Jahren die Elternkarenzzeiten und die Teilzeitansuchen deutlich abgenommen haben. Dies wiederum führt zu einem „reibungsloseren“ Klinikablauf mit weniger wechselndem Personal und zu mehr Patientenzufriedenheit. Alles in allem eine echte Win-win-Situation für wirklich alle Betroffenen. Unser westliches Bundesland Vorarlberg zeigt vor, wie es auch funktionieren kann, wenn z. B. der Betriebsrat nicht nur eingebunden wird, sondern auch wirklich Initiativen ergreift und bereit ist, für die administrative Abwicklung Sorge zu tragen. Das LKH Bregenz wurde übrigens vom Sozialministerium für den betrieblichen Sozialpreis 2014 nominiert. Es wurde mit dem 4. Platz „belohnt“.

Zahlen, Daten und Fakten

Vorarlberg

42 Prozent der Mütter, deren Kinder in Kindergärten betreut werden, sind ohne Erwerbstätigkeit, 48 Prozent arbeiten in Teilzeit, acht Prozent sind voll erwerbstätig und über ein Prozent ist in Ausbildung. Die Betreuungsquoten in den Kindergärten betrugen 45 Prozent bei den 3-Jährigen, zirka 97 Prozent bei den 4-Jährigen und rund 98 Prozent bei den 5-Jährigen. Datenquelle: „Kindertagesheimstatistik 2013/2014“, Vorarlberg, Amt der Vorarlberger Landesregierung, Landesstelle für Statistik

Österreichweit

Österreichweit gibt es laut Statistik Austria 8445 Kinderbetreuungseinrichtungen (ohne Tagesmütter bzw. -väter). Davon gibt es insgesamt nur 1198 Kinderbetreuungseinrichtungen, die 12 oder mehr Stunden geöffnet haben! In Österreich gab es im Berichtsjahr 2013/14 8445 institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen (ohne Saisontagesheime). Davon sind 4692 Kindergärten, 1450 Kinderkrippen, 1167 Horte und 1136 altersgemischte Betreuungseinrichtungen. Bei knapp 60 Prozent der Kindertagesheime sind öffentliche Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) für die Erhaltung zuständig. Der überwiegende Teil der öffentlichen Einrichtungen wird von den Gemeinden (98,7Prozent) erhalten. Der Großteil der privaten Betreuungseinrichtungen wird von Vereinen geführt (61,5 Prozent), 27,9 Prozent von kirchlichen Organisationen. Der Rest verteilt sich auf Einrichtungen, die von Betrieben, Privatpersonen oder sonstigen Stellen erhalten werden. Mit Stichtag 15. Oktober 2013 waren bundesweit 333.326 Kinder in Kindertagesheimen eingeschrieben. Mit 211.141 Kindern war der Großteil davon in Kindergartengruppen untergebracht, 27.835 besuchten Krippengruppen, 55.552 Hortgruppen und 38.798 altersgemischte Betreuungsgruppen.

Datenquelle: Kindertagesheime, Kinderbetreuung, 2013, Statistik Austria

 

Erschienen im GÖD-Magazin 2/15

Schlagworte

Frauen

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