Frauengesundheit im Fokus
Der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit am 28. Mai lenkt wieder den Blick auf ein Thema, das nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit erhält: die unterschiedlichen gesundheitlichen Realitäten von Frauen. Trotz eines gut ausgebauten Gesundheitssystems bestehen auch hierzulande geschlechtsspezifische Ungleichheiten, die nicht länger übersehen werden dürfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem GÖD-Magazin 5/2026, von Mag.a Ursula Hafner, GÖD-Vors.-Stv. und Bereichsleiterin GÖD-Frauen.
Bereits vor 40 Jahren verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der Ottawa-Charta ein Grundsatzdokument, das das Verständnis von Gesundheit nachhaltig erweitert hat. Darin wird postuliert, dass Gesundheit primär im Alltag der Menschen entsteht – dort, wo sie wohnen, lernen, leben und arbeiten. Mit diesem Lebenswelten- Ansatz legte die Ottawa-Charta zugleich den Grundstein für die moderne Gesundheitsförderung.
Gesundheit umfasst körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden und ist von Frieden, Bildung, Einkommen, sozialer Gerechtigkeit und Umwelt abhängig. Gesundheitsförderung erfordert eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, politische Unterstützung, gesundheitsförderliche Lebenswelten, die Stärkung von Gemeinschaften und persönliche Kompetenzen. Noch immer werden geschlechtsbezogene Unterschiede in der Medizin zu wenig erforscht. Dabei beeinflussen sie maßgeblich, wie Krankheiten erkannt, behandelt und vorgebeugt werden. Um diese Forschungslücke fortan zu schließen, schreiben die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) und das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) aktuell eine neue Klinische
Forschungsgruppe (KFG) zu Frauengesundheit und Gendermedizin aus. Ziel ist es, zentrale Fragen der Gendermedizin wissenschaftlich zu untersuchen, Erkenntnisse praxisnah zu übertragen und somit die klinische Forschung in diesem Bereich entscheidend voranzubringen.
Frauengesundheit umfasst weit mehr als reproduktive Medizin. Sie ist eng mit sozialen Rahmenbedingungen, Erwerbsarbeit und gesellschaftlichen Rollenbildern verknüpft. In Österreich leisten Frauen nach wie vor den überwiegenden Teil unbezahlter Care-Arbeit und sind häufiger in Teilzeit beschäftigt – oft nicht freiwillig, sondern mangels ausreichender Kinderbetreuung oder Pflegeangebote. Diese Mehrfachbelastung wirkt sich direkt auf die körperliche und psychische Gesundheit aus und erhöht langfristig das Risiko für Erkrankungen.
Gute Arbeitsbedingungen, gezielte Präventionsangebote und eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Gesundheitsaspekte sind zentrale Faktoren, um langfristig Verbesserungen zu erreichen. Initiativen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, zur Entlastung von Care-Arbeit sowie zur Stärkung von Gesundheitskompetenz sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.
Der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit ist daher auch für uns GÖD-Frauen ein klarer Auftrag, gesundheitliche Chancengleichheit konsequent voranzutreiben. Es braucht eine Politik, die Lebensrealitäten von Frauen ernst nimmt, eine Forschung, die Unterschiede sichtbar macht, und ein Gesundheitssystem, das allen gerecht wird. Denn Frauengesundheit ist keine Nische– sie ist ein Gradmesser für soziale Gerechtigkeit insgesamt.