20.10.2026

So funktioniert der Öffentliche Dienst in den Augen der Bevölkerung

Seit 2019 lässt die GÖD das Image des Öffentlichen Dienstes und seiner Berufsgruppen durch das renommierte Meinungsforschungsinstitut IMAS abfragen. Nach mittlerweile sieben Jahren verfestigen sich einige Bilder, andere wiederum geben eine dynamische Veränderung preis. Nicht alles wird dabei besser.

Markus Larndorfer ist Vorsitzender der GÖD-Oberösterreich.

Vorweg: Die Menschen zwischen Bodensee und Neusiedler See schätzen die Lebensqualität in Österreich. Und sie sind sich dessen bewusst, dass diese Lebensqualität sehr viel von einem funktionierenden Öffentlichen Dienst abhängt. Angefangen von der Gesundheitsversorgung über die Sicherheit, Bildung und Infrastruktur bis hin zur Kultur und Freizeit: Die Österreicherinnen und Österreicher wissen, was sie an diesem Staat und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. Eine satte Mehrheit von 85 Prozent der Menschen sagt, dass der Öffentliche Dienst für ihre Lebensqualität sehr wichtig (Schulnote 1) oder wichtig (2) ist.

Zweifel an der Leistungsfähigkeit wachsen
Gleichzeitig gibt es in der Bevölkerung aber wachsende Zweifel, dass die Mitarbeitenden die Lasten im Öffentlichen Dienst künftig auch noch stemmen werden können.
Gefragt nach den wichtigsten Eigenschaften des Öffentlichen Dienstes rangiert 2026 erstmals auf Rang 1 der Begriff „überfordert“, gefolgt von „verantwortungsvoll“ und auf Platz drei „überlastet“.
Lange Jahre wurde uns hier zunächst einmal das Attribut „kompetent“ zugeschrieben. Doch auch die Bevölkerung bekommt mit, was sich in der Praxis des Öffentlichen Dienstes grosso modo so abspielt. Auf Nachfrage, worin sie die größten Herausforderungen für die Mitarbeitenden im Öffentlichen Dienst sehen, nennen sie an erster Stelle den Personalmangel, gefolgt von hohem Entscheidungsdruck und einer überbordenden Erwartungshaltung der Kunden und Klienten. Und dieses Bild deckt sich ja in weiten Teilen mit der Innensicht unserer Kolleg:innen.

Konsequenzen auf die Arbeitgeberattraktivität
Es verwundert somit wenig, dass Berufsfelder, die mit notorischem Personalmangel und Überforderung assoziiert werden, auf Dauer auch am Arbeitsmarkt unter Druck geraten.
Seit 2019 fragen wir die Menschen jedes Jahr, ob sie bei freier Berufswahl eher in die Privatwirtschaft oder eher in den Öffentlichen Dienst gehen würden. Und der Anteil der Befragten, die sich für den Öffentlichen Dienst aussprechen, ist seither von 25 kontinuierlich auf heuer 16 % der Befragten gesunken. Wenn da mal nicht die Alarmglocken in den Recruitingabteilungen der Dienstgeber im öffentlichen Sektor läuten sollten.
Klar ist: Beim Forderungsprogramm der GÖD zur Attraktivierung des Öffentlichen Dienstes geht es nicht um den Schnittlauch am Butterbrot, sondern um die Substanz. Wir können uns nicht einen Öffentlichen Dienst leisten, der in den Medien ständig Schlagzeilen mit Missständen infolge von Personalmangel produziert. Daher ist es richtig und notwendig, diese Belastungsgrenzen aufzuzeigen und zu bekämpfen. Wenn die Leistungsfähigkeit des Öffentlichen Dienstes von der Bevölkerung infrage gestellt wird, geht es längst nicht nur um den Arbeitsalltag unserer Kolleginnen und Kollegen. Dann steht mehr auf dem Spiel.

Vertrauen in die Demokratie steht auf dem Spiel
Dort, wo Menschen zu zweifeln beginnen, dass der Staat und seine Institutionen in der Lage sind, die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu meistern, entsteht ein Nährboden für antidemokratische Tendenzen und letztlich für Extremismus in Form von Autokratien und/oder Anarchie.
Noch sind wir aber nicht an diesen Kipppunkten. Auch dazu erstellt IMAS im Auftrag der GÖD jedes Jahr einen eigenen Vertrauensindex. Und hier rangieren die Institutionen des Öffentlichen Dienstes ganz vorne. Höchste Vertrauenswerte genießen Krankenhäuser, Schulen und Universitäten, die Polizei, Rechtsprechung und die meisten anderen öffentlichen Einrichtungen. Mager schaut es hingegen rund um die Medien, Kirchen und das ganze politische System aus.
Wer die Demokratie stärken will, darf also nicht den Öffentlichen Dienst schwächen, sondern sollte mal vor der eigenen Türe kehren.

„ Das Monitoring seit 2019 zeigt: Die Menschen sehen den Personalmangel und die steigenden Anforderungen im Öffentlichen Dienst. Sie erwarten sich aber einen leistungsfähigen und modernen Staat zur Sicherung ihrer Lebensqualität. Für uns heißt das: Der Öffentliche Dienst muss vom Sparposten rasch wieder zur Zukunftswerkstatt Österreichs werden!“
MARKUS LARNDORFER, Vorsitzender GÖD OÖ

Forschungsdesign

  • Ziel: Erhebung des Meinungs- und Stimmungsbilds der österreichischen Bevölkerung zum Öffentlichen Dienst im Langzeitvergleich (2019–2025)
  • Methode: Persönliche Interviews (face-to-face) im Rahmen einer Mehrthemen-Umfrage (MTU/Omnibus)
  • Stichprobe: n = 1.005 Personen ab 16 Jahren, repräsentativ für Alter, Geschlecht und Region
  • Schwankungsbreite: ± 3,1 Prozentpunkte bei 95,45 % Signifikanzniveau
  • Erhebungszeitraum: 8.–29. Juli 2026